„Geliebter Roboter“

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Isaac Asimov – Geliebter Roboter

Taschenbuch: 208 Seiten

Verlag: Heyne Verlag (11. Januar 2016)

ISBN-10: 3453528433

ISBN-13: 978-3453528437

Der Beginn der Zukunft

Mein Großvater (1892 – 1976) las Science-Fiction, lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Seinen Worten nach, las er Zukunftsromane und neben den Romanen anderer Autoren, war er ausgesprochener Liebhaber (den Ausdruck Fan gab es auch noch nicht) von seinen Zeitgenossen Kurd Laßwitz oder Hans Dominik (beide hier von mir vorgestellt). Warum erwähne ich das? Nun, weil mein Großvater mich das Lesen lehrte… also nicht nur die Aneinanderreihung von Buchstaben, sondern das Erfassen von Texten. Und er war es auch, der mir meine ersten Science-Fiction-Bücher schenkte – unter anderem die Bücher von Isaac Asimov.

Isaac Asimov (1920 – 1992) zählt gemeinsam mit Arthur C. Clarke, Robert A. Heinlein und Stanislaw Lem (alle hier von mir vorgestellt) zu den bedeutendsten Science-Fiction-Autoren und zu den Protagonisten des sog. „Golden Age of Science-Fiction“. Er studierte Chemie an der Columbia University und beendete das Studium mit einem Master-Abschluss. Später promovierte er (28jährig) zum Doktor der Biochemie und schließlich Professor an der Boston University. Bereits während seines Chemiestudiums begann er zu schreiben und ab 1958 gab er die Universitätskarriere auf und wurde Schriftsteller. Eines seiner Hauptthemen war Robotik und Künstliche Intelligenz. Aber neben seinen Science-Fiction-Romanen schrieb er auch zahlreiche populärwissenschaftliche Sachbücher zu den unterschiedlichsten Themen (man schätzt sein Werk auf über 500 Bücher). 1979 wirkte Asimov als wissenschaftlicher Berater bei der Entstehung von Star Trek mit. Was ihn – aus meiner Sicht – für die Science-Fiction-Literatur zu einem Gewinn machte, war sein humanistisches Denken – ab 1985 wurde er Präsident der American Humanist Association und blieb in dieser Position bis zu seinem Tod.

Zu diesem Buch: Diese Sammlung von Kurzgeschichten ist erstmals 1957 erschienen und enthält 12 Short-Storys, welche alle in den frühen 1950er Jahren geschrieben wurden. Hier, wie auch schon im Band „Ich, der Roboter“, geht es um DIE Themen, für die Asimov vom Beginn seiner Schriftstellerei bekannt wurde und die halt seine Themen sind: Robotik und Künstliche Intelligenz. Es geht hier nicht wie bei anderen Autoren darum, Roboter als gefährliche Feinde auftreten zu lassen oder gar als Kampfmaschinen gegen andere Menschen, sondern es geht um Asimovs Postulat einer gleichberechtigten Partnerschaft zwischen Maschine und Menschen. Denn genau das zeigen Asimovs Geschichten: eine Zukunft, in der Roboter nicht einfach nur sehr elaborierte Werkzeuge oder mechanische Monster sind, sondern Partner der Menschen. „Ich hatte beschlossen, dass sich meine Roboter nicht gegen die Menschheit wenden würden“, schreibt Isaac Asimov 1964 in seinem Vorwort zu „The Complete Robot“.

Ich habe diese Kurzgeschichten Ende der 1960er Jahre zum ersten Mal gelesen. Damals waren leistungsfähige Computer so groß wie ein Haus. Noch anfangs der 1970er Jahre ware ein einfacher Technischer Kalkulator (Taschenrechner mit Kurvenfunktionen) so groß wie heute ein Notebook – die Rechnerleistung und Rechnergröße machten Roboter zu DEN Zukunftsvisionen und Asimov trägt maßgeblich mit dazu bei, dass der Begriff Robotik ins gesellschaftliche Bewusstsein gelangte. Aber das ist nur die berüchtigte eine Seite der Medaille – die andere Seite sind die Zukunftsentwürfe, die zum Teil – wenn man so will – an Aktualität zunahmen und wir uns glücklich schätzen könnten, wenn manchen nie aktuell werden.

Schlussbemerkungen: „Geliebter Roboter“ (und der Vorgängerband „Ich, der Roboter“) war für mich Mitte der 1960er Jahre der Beginn meiner Asimov-Leidenschaft – auch heute sollte das für Jugendliche gelten können: Das ist ein einstiegstauglicher Asimov-Band. Natürlich habe ich als Jugendlicher noch nicht das Hintergrundwissen besessen, das mir heute zur Verfügung steht. Natürlich hatte ich noch nicht die politischen Prägungen, welche mich heute ausmachen. Und auch die Kritikfähigkeit, die sich bekanntlich aus den Prägungen und dem Wissen speist, war dem entsprechend noch nicht entwickelt. Ich traue heutigen kritischen Jugendlichen zu, dass sie Unterhaltung losgelöst von Technologiekritik genießen können… natürlich haben solche technologischen Entwicklungen auch ihre Schattenseiten hervorgebracht.

Die Sammlung von Kurzgeschichten haben nicht nur meine SF-Affinität geprägt, sie haben ein die Science-Fiction-Literatur geprägt und sie wieder näher an die Wissenschaft und Technik gebracht. Für mich sind die Erzählungen und Romane Isaac Asimovs ein schieres Lesevergnügen. Ich brauche all die waffenstarrenden Raumschlachten mit Aliens oder aggressiven Eroberungs-Expeditionen nicht lesen; bestenfalls als Randerscheinung innerhalb eines intelligenten Plots. Diesen Anspruch erfüllt Asimov in seinen Romanen und Erzählungen einwandfrei. Das Gute: Er entwickelt aber Perspektiven, die weitergedacht werden können; weitergedacht in eine Zukunft der Menschheit. In Gedenken an meine Kindheit und Jugend in den 1960ern… und an meinen lieben Großvater, der quasi an dieser Besprechung schuld ist.