Álvaro Mutis „Die Abenteuer und Irrfahrten des Gaviero Maqroll“

Die vierte Dimension

Pro: Erste vollständige Sammlung, literarisch anspruchsvolles Werk, wundervoller Schmöker

Contra: Der Unionsverlag hätte sich um ein einführendes Vorwort oder erläuterndes Nachwort bemühen können.


Wahrnehmung. Neulich führte ich eine Diskussion über das Beurteilen von Mitarbeitern. Die Einzelheiten sind hier nicht interessant. Der Kernpunkt des Gesprächs allerdings, wie objektiv das Beurteilen von Mitarbeitern durch Mitarbeiter, Führungskräfte und Kunden sein kann, brachte mich dazu, mir über die Grundlage des Beurteilens – die Wahrnehmung – ein paar Gedanken zu machen. Diese Gedanken stehen auch in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem hier zu besprechenden Buch und so sind diese Gedanken sozusagen schon unmittelbare Vorbemerkungen, die für das Verständnis des hier vorzustellenden Buches wichtig sind; jedenfalls wenn man es so lesen möchte, wie ich es später vorschlagen will.

Wahrnehmung setzt vor allem eine intakte Sinnlichkeit voraus, da alle Wahrnehmung auf unserer Fähigkeit beruht, mittels unserer Sinne, die uns umgebende Welt zu erkennen. Schon seit sich die Menschen darüber Gedanken machen, wird die Wahrnehmung auch immer in Verbindung mit dem Begriff Erkenntnis gebracht und so kann Heraklit sagen, dass das Wissen durch das Tor der Sinne in den Menschen gelangt. Aber Wissen kann man bekanntlich weder sehen noch hören, weder riechen, schmecken oder fühlen… es muss wohl noch so etwas wie das Bewusstsein dazukommen, damit wir aus Sinneseindrücken Erkenntnis gewinnen.

Nun, hier wird das Problem schon fast greifbar: Zwischen den Sinneseindrücken und der Erkenntnis liegt ein Bewusstsein, das bei unterschiedlichen Menschen nun mal unterschiedlich ist, was somit immer Subjektivität hervor bringt. Doch damit nicht genug. Die sog. Gestaltpsychologie entdeckte, dass sinnliche Wahrnehmung immer schon gestaltende und eben nicht nur elementarisch-reizhafte Wahrnehmung ist und somit, dass Wahrnehmung als dynamisch-prozessualer Vorgang immer schon symbolisch vermittelt ist. Das bedeutet, dass unsere Wahrnehmung bereits vorstrukturierte Bobachtungsgabe ist… wir nehmen wahr, wie wir wahrzunehmen gelernt haben, wie wir orientiert sind.

Unsere Orientierung führt also zur Wahrnehmung und Wahrnehmung zu erneuter Orientierung. Orientierung ist die menschliche Sicht der Welt. Was die Wahrnehmung betrifft, unterscheiden sich die Menschen weniger, als gemeinhin angenommen, von den Tieren… was sich bei manchen leider nicht nur beim Begriff Wahrnehmung sagen lässt. Für uns ist nicht nur der, durch Sinneseindrücke gebildete, abstrakte Begriff der uns umgebenden Welt von Bedeutung, sondern auch die erfassbaren Handlungsbedingungen und Handlungsmöglichkeiten. Es geht uns also – oder sollte uns gehen – um die Möglichkeiten, gemäß unseren menschlichen Bedürfnissen zu handeln und unsere Handlungsfähigkeit zu erweitern.

Somit nutzt uns die Orientierung, die Welt in ihrer gegenständlichen und sozialen Beschaffenheit zu erkennen und zu nutzen und sie entsteht, immer individuell, als eine Leistung jedes einzelnen Menschen. Mit der Orientierung bilden wir also eine Erkenntnis, die wir aktiv handelnd und sprechend im Umgang mit anderen Menschen in der Welt gewinnen und die auch nur in diesem Zusammenhang ihre Funktion hat. Nur… wir müssen das wissen, damit wir unsere Urteile nicht als objektiv bezeichnen und damit, unter Umständen, andere Menschen in ihren Bedürfnissen, Möglichkeiten und Fähigkeiten nicht einschränken; und noch so tun – wie es viele Bewertungssysteme in Unternehmen tun – als sei das Wissenschaft. Andernfalls entsteht leicht Desorientierung oder, schlimmer noch, Orientierungsverlust, der uns unsere Zeit, unseren Raum und unsere Identität rätselhaft macht.

Vor vielen Jahren begegnete mir literarisch ein Schriftsteller, der offenbar sehr viel von Wahrnehmung, Orientierung und Desorientierung versteht. Anders ist es nicht zu erklären, wir er eine Figur erfinden konnte, die in jedem ihrer Abenteuer so komplett die Orientierung verliert, die ein Meister der verpassten Chancen ist, ein vom Pech verfolgter Seefahrer, ein immerwährend Suchender, ein philosophierender Unglücksrabe, ein Ausguck im Mastkorb (im Spanischen Gaviero genannt), der niemals den Satz „Land in Sicht“ ausrufen konnte… und eben dieser Unglücksrabe ist die Hauptfigur einer Serie von Romanen, die mittlerweile schon zu so etwas wie Kultbüchern einer stetig wachsenden weltweiten Fangemeinde geworden sind, seit er 1953 das Licht der literarischen Welt erblickte: Der Gaviero Maqroll.

Die Rede ist von dem jüngst erschienenen Band „Die Abenteuer und Irrfahrten des Gaviero Maqroll“ von Álvaro Mutis, in dem der verdienstvolle Unionsverlag die bisher erschienenen Maqroll-Romane in überarbeiteter Übersetzung zusammenfasste: „Der Schnee des Admirals“, „Ilona kommt mit dem Regen“, „Ein schönes Sterben“, „Die letzte Fahrt des Tramp Steamer“ und „Das Gold von Amirbar“. Darüber hinaus enthält das Buch zwei weitere Romane mit dem tragischen Helden Maqroll in deutscher Erstausgabe: „Abdul Bashur und die Schiffe seiner Träume“ und „Triptychon von Wasser und Land“. Es lohnt sich also allemal dieses Buch zu kaufen, auch wenn man damals auf mich gehört hat und die bisher erschienen Bände schon besitzt. Und für diejenigen, die noch nie von Maqroll gehört haben, gilt es einen kostbaren Schatz zu entdecken, der den alten Schätzen aus Lateinamerika ebenbürtig ist.

Maqroll ist der literarische Sohn des kolumbianischen Schriftstellers und die Mutter ist die überbordende, bilderreiche Phantasie dieses Autors. Maqroll wurde an einem – für viele heutige Menschen leider – äußerst ungewöhnlichen Ort geboren, der Lyrik heißt… eben der in Lateinamerika und Spanien sehr hoch geschätzten Lyrik des Alvaro Mutis (man nannte ihn in einem Atemzug mit dem Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda – ebenfalls hier bei Ciao vorgestellt). Offenbar braucht auch ein solches Kind Entwicklungszeit, eine Zeit der Reife, eine Zeit des Erwachsenwerdens, denn erst 1986 tritt er vollends in die Welt und wird im Roman „Der Schnee des Admirals“ zur, mit internationalen Literaturpreisen überschütteten, literarischen Person. Es handelt sich hier wohl um so etwas wie einen späten Erfolg des Autors und man könnte mutmaßen, dass in Maqroll, diese von ihm erschaffenen Figur, einige selbst gemachte Erfahrungen enthält und dem Autor das wovon er schreibt nicht gar zu fremd ist (dazu gehe ich im biographischen Teil näher ein).

Mit der Zeit wurden mir diese beiden Männer, Maqroll und sein Schöpfer, zu treuen Weggefährten, deren Romane mir schon sehr oft halfen die Orientierung nicht zu verlieren. Meinen Leserinnen und Lesern wird der Name dieses bedeutenden Autors vielleicht noch im Gedächtnis sein, da ich vor einiger Zeit dessen ersten Roman hier vorstellte. Die damalige Besprechung ist zusammen mit dieser Rezension gleichzeitig auch eine Werkschau dieses wundervollen Poeten und sollten eigentlich zusammen gelesen werden. Um jedoch den Lesenden die Mühe zu ersparen zwei Besprechungen lesen zu müssen, möchte ich Teile dieser alten Besprechung hier einfügen, da das hier vorzustellende Buch auch den damals besprochenen Titel enthält.

Bevor ich auf diesen Maqroll und seine Abenteuer und Irrfahrten ausführlich eingehe, möchte ich seinen Schöpfer würdigen. Aber keine Sorge, ich werde versuchen mich so kurz wie möglich zu fassen, was bei einem solch großartigen Menschen, vorzüglichen Erzähler und Menschen mit bewegtem Leben nicht eben einfach ist; auch hier gilt, dass die Biographie in direktem Zusammenhang mit dem Werk steht: Alvaro Mutis (kurz AM) wurde am 25.August 1923 in Bogota/Kolumbien geboren. Er verbrachte, als Sohn einer Diplomatenfamilie, seine Kindheit in Brüssel und absolvierte dort die Schulzeit in einem Brüsseler Jesuitenkolleg und irgendwie ist es schon kennzeichnend, dass er die Kenntnisse über seine Heimat (in die er sich sehnte…) in der französischen Sprache beigebracht bekam. Nach seiner Rückkehr nach Kolumbien, nahm er seinen Interessen gemäß, an der Universität von Bogota ein Studium in Geschichte auf; das er abbrach, weil ihm – wie er selbst sagte – die Poesie  dazwischen kam.

Wie so viele lateinamerikanische Autoren, arbeitete AM auch als Journalist. Er schrieb für den „El Espectador“ (dasselbe Blatt übrigens, für das auch Gabriel Garcia Marquez – auch hier bei Ciao vorgestellt – schrieb). Aber AM arbeitete, unter anderem, auch in einer Brauerei, war Arbeiter in der Ölindustrie vor der kolumbianischen Küste und schließlich arbeitete er als Angestellter bei einer Fernsehgesellschaft als Werbefachmann, bis er bei einer nordamerikanischen Filmgesellschaft landete. Im Alter von neunzehn Jahren begann AM Gedichte zu schreiben und erfand sich, einen welterfahrenen Helden als poetisches Alter Ego, um, wie er sagte, seiner Lyrik mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Leider wurde 1948 sein erster Gedichtband  bei politischen Unruhen ein Raub der Flammen.

Wegen eines drohenden Gerichtsverfahrens unter der Militärdiktatur verließ er Kolumbien und lebt seit 1956 in Mexico. Die Flucht war aber nur halb erfolgreich, denn die kolumbianischen Militärs forderten unter Angabe diffuser Gründe seine Auslieferung. Das brachte ihn 1960 für fünfzehn Monate in ein mexikanisches Gefängnis. Dort machte AM, wie er sagt, prägende Erfahrungen, die „extrem und absolut“ gewesen seien. Während dieser Haftzeit nahm er eine Veränderung seiner literarischen Prioritätensetzung vor: er wollte nicht mehr der erzählende Poet sein, er wollte vielmehr ein poetischer Erzähler werden. Aber noch ist es nicht so weit, dass der Maqroll von heute das Licht der literarischen Welt erblickt. Heute ist AM einer der beliebtesten lateinamerikanischen Autoren in der spanisch sprechenden Hemisphäre und wird natürlich auch in Europa und den USA (was wohl an der mittlerweile entwickelten „Latino-Kultur“ liegen mag) sehr geschätzt.

AM ist seit Lebens ein Reisender und gibt selbst zu Protokoll: „Als ich fünf Jahre lang bei Standard Oil Chef der kolumbianischen Werbeabteilung war, reiste ich viel auf Öltankern und machte interessante Erfahrungen und äußerst merkwürdige Bekanntschaften, von denen viele in meinen Erzählungen vorkommen. Ich liebe das Reisen und Umherstreifen, und ohne dass ich es eigens darauf anlegte, hatte ich immer Jobs, bei denen ich viel unterwegs war. Mehr als dreiundzwanzig Jahre habe ich für Twentieth Century Fox und dann für Columbia Pictures gearbeitet, als Verkaufsmanager für Fernsehproduktionen in Lateinamerika. Ich fuhr von Hauptstadt zu Hauptstadt. So wurde mein Leben zu einer langen Reise, ich traf Tausende von Menschen, in allen denkbaren Situationen. Dadurch habe ich das Gefühl verloren, ich wäre nur ein einem einzigen Land zuhause.“

Wie bereits angedeutet, hat AM die Hauptfigur seiner Romane bereits in seinen Gedichten erfunden. Mit den auf seinen Streifzügen durch die Welt gewonnenen Erfahrungen und seinen zahlreichen Erlebnissen, wuchs offenbar die Maqroll-Figur heran. Der qualitative Sprung von der lyrischen Verdichtung zur romanhaften Ausdehnung ging offenbar sehr plötzlich vonstatten. In einem Gespräch mit Francisco Goldmann über die Entstehung der Maqroll-Romane erzählte AM, wie er 1986, schon dreiundsechzigjährig und ein bekannter Lyriker, die französische Übersetzung eines Prosagedichts mit dem Titel „Der Schnee des Admirals“ überarbeitete. Plötzlich, sagte er, hätte er realisiert: das ist gar kein Gedicht… das ist ein Roman. „Müde und ergeben zuckte ich die Achseln und sagte mir: Dann schreibe ich die Geschichte also fertig. Ich setzte mich an den Schreibtisch, begann zu erzählen, mehr, mehr und noch mehr, und als ich fast dreihundert Seiten beisammen hatte, überarbeitete ich es nochmals.“ Dies war der Beginn einer unwahrscheinlichen Geschichte von stürmischer Erzählarbeit. Während der nächsten fünf Jahre veröffentlichte AM sechs weitere Bücher über die Abenteuer diese nomadenhaften Helden, der alles andere als ein Held ist und Maqroll, der Gaviero, ging auf seine Reise vom lyrischen Archipel, hin zu den Gipfeln der Romankunst.

In meiner ersten Besprechung zu „Der Schnee des Admirals“ schrieb ich, dass mein Unterfangen, diesen Roman in seinem Plot kurz zu beschreiben scheitern muss, allein deswegen, weil es einen Plot im üblichen Sinne eigentlich nicht gibt. Die Welt von Maqroll ist zwar irgendwie begrenzt, aber hat andererseits keinen eigentlichen Ort, die ganze erzählte Welt ist eine einzigartige und vollständige Kreation des Autors, eine Region der Phantasie…  ganz so, wobei sich Vergleiche eigentlich zur Beschreibung des Romans nicht eignen, aber sozusagen als verständlich machende Metapher dienen können, wie das Dorf Macondo in „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Márquez; ich wage den Vergleich auch nur, weil es sich bei den beiden genannten Autoren um Freunde handelt, um eine Freundschaft, wie man sie vielleicht nur einmal im Leben findet.

Gabriel García Márquez sagte über AM und sein Schaffen: „Álvaro Mutis’ gesamtes Werk ist das eines Hellsehers, der genau weiß, dass wir das verlorene Paradies nicht wieder finden werden. Maqroll ist nicht nur, wie man immer so leichthin sagt, er selbst. Maqroll – das sind wir alle, und deshalb kann er nicht sterben.“ Mit Maqroll, dem Gaviero – dem Späher im Mastkorb – hat AM sicher eine der vielschichtigsten und faszinierendsten Figuren der Literatur des 20. Jahrhunderts geschaffen. Maqroll, der philosophische Abenteurer und belesene Seefahrer, ist nirgends zu Hause und immer unterwegs. Getrieben von einer rastlosen Suche, irrt er über die Meere und Flüsse dieser Erde, durch den dichtesten Urwald, das Hochland der Anden und die Abgründe der Hafenstädte. Mit jeder Reise zieht er den Kreis enger um sein eigenes Ich, dessen Unergründlichkeit ihn stets aufs Neue scheitern lässt.

Das legt zwar eingestandener weise den Vergleich zu anderen berühmten Gestalten der Literatur  nahe, aber Rezensenten sollten nicht zu vorschnell die Werke anderer Autoren, die man seit langem bequem schubladisiert hat, als Referenzpunkte heranzuziehen. Don Quijote, dem Ritter von der traurigen Gestalt, der fliegende Holländer oder Kapitän Ahab, dem rastlosen Moby-Dick-Jäger bieten sich vielleicht bequem an, aber dennoch ist der heimatlose Nomade und melancholische Abenteurer Gaviero Maqroll in der Literatur so eigenständig, dass er in diese Schubladen nicht passt – obschon AM angibt, dass Cervantes einer seiner Lieblingsautoren ist. Im Jahre 2001 erhielt AM den Cervantes-Preis; die höchste Auszeichnung für spanischsprachige Literatur (sozusagen den spanischen Nobelpreis).

Für mich gehört AM auf dieselbe Stufe mit Autoren wie Marquez, Fuentes oder Cortázar (alle hier bei Ciao vorgestellt), und das nicht nur weil er Zeitgenosse und Weggefährte dieser Großen der Lateinamerikanischen Literatur ist. Mit ihnen verbindet ihn auch sein Engagement. AM schreibt nicht nur melancholische Geschichten, sondern macht, als Kolumbianer und seinem Lebenslauf gemäß, auch die Gewalt, die Willkür der Militärs oder wirtschaftliche Ungerechtigkeit zum Thema; ohne jedoch vordergründig sozialkritisch zu sein. Er sagte in einem Interview, dass er sein Land – und er meinte Kolumbien, obwohl er schon sehr lange in Mexiko-City lebt – durch die Modernität bedroht sieht und in diesem Geiste schreibt er auch seine Romane. Sie sind am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhundert, eine von atemloser Geschäftigkeit geprägten Zeit, ein literarischer Gegenentwurf, in dem Zeit offenbar keine Rolle mehr spielt und in dem, trotz all den Bedrängungen des Protagonisten, dem Geist einer menschlichen Freiheit – nicht aber einer Freiheit des Geldes und der Gier – gehuldigt wird.

Eigentlich macht Maqroll nicht viele Worte – eine Äußerung, die bei einem über 830 Seiten starken Werk schon seltsam anmuten muss. Aber wenn er spricht, dann oft mit satirischem bis sarkastischem Humor, doch er ist weit davon entfernt ein Zyniker zu sein; wozu oft enttäuschte intelligente Menschen leicht werden können. Maqroll ist nicht nur der Protagonist dieser Romane, er ist vielmehr der Protagonist der Person des Schriftstellers an sich; AM und Maqroll sind gewissermaßen eins. Und auch wenn sich die Abenteuer des Protagonisten manchmal in der Grauzone zwischen Legalität und Illegalität zutragen, bleibt er sauber und lebt sozusagen ein die Angst kennendes poetisches Lebensgefühl, das von Menschenfreundlichkeit bestimmt ist.

Ein weiteres Indiz dafür, dass AM und sein Protagonist mehr miteinander zu tun haben, als das bei einem Schöpfer und seiner Kreatur gemeinhin der Fall ist, wird der Analyse der Hauptfigur augenfällig: Wie AM auch, ist seine Figur eigentlich unspektakulär. Sie meiden den heldenhaften Auftritt, die großartige Geste. In seiner Dankesrede anlässlich der Preisverleihung des Premio de Cervantes, gab er uns ein Beispiel für seine Bescheidenheit und sein unprätentiöses Auftreten, als er sagte, dass er nicht mit so viel Glück gerechnet habe, aber nun, da es schon mal zu greifen sei, hätte er auch nichts dagegen es anzunehmen.

Doch soviel ich auch erklären mag, die sieben episodisch angelegten Kurzromane erschließen sich dadurch dennoch nicht; man muss sie sich einfach lesend selbst erkunden. Obwohl ich weiter oben anmerkte, dass mein Unterfangen, diesen Roman in seinem Plot kurz zu beschreiben scheitern muss, weil es einen Plot im üblichen Sinne eigentlich nicht gibt, möchte ich die sieben formal selbständigen Romane, die allerdings durch Haupt- und Nebenfiguren, Vor- und Rückblenden miteinander verschränkt sind, in aller gebotenen Kürze beschreiben. Dabei folge ich in der Reihenfolge der Beschreibungen ebenso der Entstehungsgeschichte der Romane, wie es natürlich auch der Unionsverlag tat:

„Der Schnee des Admirals“

Der Gaviero, bereist auf einem kleinen Schiff den fiktiven Fluss Xurandó, irgendwo im Dschungel des Amazonasbeckens, stromaufwärts, um mit von einer Flor Estévez geliehenem Geld ein lukratives Geschäft zu machen. Die Wasserläufe sind gefährlich und bilden ein unüberschaubares Labyrinth, das Klima ist drückend schwül und Insekten quälen die Menschen. Die Besatzung ist zwielichtig und der ständig angetrunkene Kapitän verbessert den Eindruck nicht. Schon bald bringt sich der Kapitän, auf den man sich verlassen hatte, auch noch um. Der Lotse und ein weiteres Besatzungsmitglied werden von Soldaten verhaftet und die Fahrt über die Stromschnellen wird lebensgefährlich. Seltsame Warnungen einer unverhofft auftauchenden Militärpatrouille machen alle Hoffnungen auf ein günstiges Geschäft zunichte. In seinem Tagebuch, aus dem der Roman besteht, deutet Maqroll das absurde Wagnis, das er wieder einmal eingegangen ist, als das Grundmuster seiner Existenz. Hier wird schon andeutungsweise zu erkennen sein, dass die Reise Maqrolls durch diesen Urwald auch eine Allegorie ist… und es sich durchaus auch als eine Reise in etwas Unbewusstes handeln kann.

In diesem Labyrinth ziehen nun Maqroll und seine Freunde umher… und es sieht zunächst nicht so aus, als sollten sie ihr Ziel je erreichen. Das kann an unterschiedlichen Ursachen liegen… entweder man findet an einem fest vorgenommenen Ziel gerade nicht das, was man sich vom Erreichen des Ziels vorgestellt hat… oder aber es liegt auch daran, dass hin und wieder… zu manchen Zeiten… eben der Weg das Ziel ist und damit werden nur immer Orte erreicht und die Reise geht immer weiter… ist mit dem erreichen der Orte eben nicht zu Ende. Als sie am eigentlichen Ziel mit Waffengewalt vertrieben werden, reist Maqroll, froh davon gekommen zu sein, weiter ins Hochland, um Flor Estévez das Geld zurückzuerstatten. Doch er findet ihre Kneipe namens – Der Schnee des Admirals – verlassen vor; die Besitzerin verschwunden…

„Ilona kommt mit dem Regen“

Zu Beginn des zweiten Maqroll-Roman ist Maqroll zunächst in Panama buchstäblich gestrandet, weil das Schiff mit dem er ankam beschlagnahmt wurde; der Kapitän hatte seine Schulden nicht bezahlt. Unser Held ist mal wieder finanziell abgebrannt. Seinen letzten Dollars gehen für die Unterkunft in miserablen Absteigen drauf und sein Wirt vermittelt ihm ein paar illegale Geschäftchen, damit er sich ein wenig Geld beschaffen kann. Unvermittelt kommt die Wendung. Er trifft eine alte Bekannte, die ihm auf den ersten Blick ansieht, dass es mit ihm nicht zum Besten steht. Ilona ist eine Abenteurerin, die Maqroll in nichts nachsteht und sie lässt sich etwas einfallen. Die beiden gründen ein Bordell, dessen Clou darin besteht, dass die Mädchen sich als adrette Stewardessen verschiedener Fluglinien ausgeben. Das Geschäft floriert, am Ende jedoch nimmt nicht das Glück sondern das Unheil eine neue Wendung. Eine der Huren beginnt eine düstere Anziehung auf Ilona auszuüben, und schließlich fallen beide Frauen einem Unfall zum Opfer, der vielleicht auch ein Doppelselbstmord war.

Ilona hatte ihm gesagt, dass er sich an einem Ort befindet, an dem er hätte niemals landen sollen und, dass von diesem Ort  keiner wieder fort kommt… Trotzdem beschließt Maqroll einmal mehr abzureisen. Da taucht das Schiff von Abdul Bashur auf, Libanese und Freund Maqrolls, seit die beiden vor Jahren in Port Said erstmals Geschäfte miteinander machten. Bashur ist Maqrolls Spiegelbild, ein ebenso rastloser Seelenverwandter, ausgestattet mit einem rigorosen Ehrenkodex und einem unverbrüchlichen Sinn für Freundschaft.

„Ein schönes Sterben“

Dies ist nun der letzte Roman der ursprünglich geplanten Trilogie. Einmal mehr ist der Gaviero „down and out“, er hat sich in La Plata verkrochen, irgendeinem Kaff an irgendeiner Flussmündung im Dschungeltiefland. Als ein dubioser Bergwerks-Ingenieur auftaucht, wendet sich scheinbar das Blatt: Maqroll erhält einen Auftrag. Er soll einige Kisten mit Baumaterial in die Berge schaffen… und gerät prompt zwischen die Fronten von Militärs und Guerilla. Don Aníbal, ein Gutsbesitzer, klärt ihn darüber auf, wie die gegnerischen Parteien ihre Kämpfe seit vielen Jahren auf dem Rücken der Zivilbevölkerung austragen. Unschwer sind die kolumbianischen Zustände zwischen den Zeilen zu lesen (siehe auch „Die Madonna der Mörder“ von Fernando Vallejo – auch hier bei Ciao vorgestellt).

Als er zurückkehrt, ist La Plata in der Hand der Militärs. Maqroll wird verhört und erfährt, dass er unwissentlich Waffen für die Aufständischen geliefert hat. Man schickt ihn als Köder mit einer zweiten Lieferung los. Bei seiner Rückkehr ist sein Vertrauensmann tot, er wird der Kollaboration verdächtigt und kommt nur knapp mit dem Leben davon. Obwohl die Trilogie komplett ist, lässt Mutis Maqroll entwischen. Vielleicht, um den Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, die ihm ein solcher Papiermord beschert hätte. Ein Bonmot erzählt, dass der chilenische Lyriker Gonzalo Rojas seinem Freund AM mit einer Strafanzeige gedroht habe, falls der es wagen sollte, seinen Maqroll aus dem Weg zu räumen. Und ich erinnere an das oben erwähnte Zitat von Marquez…

„Die letzte Fahrt des Tramp Steamer“

Eigentlich war dieses Buch schon nicht mehr geplant und so brauchen wir uns nicht wundern, wenn wir dem Gaviero in diesem Roman nicht wirklich begegnen. Tramp-Steamer heißen jene kleinen Frachtschiffe, die in Erwartung irgendeines Gelegenheitsgeschäfts von Hafen zu Hafen kreuzen. Der Tramp-Steamer um den es hier geht ist die Alción, deren Geschichte von einem anonymen Ich-Erzählers (einen weitläufigen Bekannten von Maqroll) berichtet wird. Die Alción ist ein erbärmlicher Kahn und dennoch kreuzt dieses Fast-Geisterschiff immer wieder Wege des Erzählers. Ob im Baltikum oder in Costa Rica, ob in Jamaika oder, ein letztes Mal, im Orinoko, irgendwie sind der Erzähler und das marode Schiff immer mal wieder am selben Ort. Jahre später lernt der Erzähler einen baskischen Kapitän kennen, und als dieser aus seinem Seefahrerleben berichtet, begreift der Erzähler, dass er den Kapitän der Alción vor sich hat.

Wieder werden die Ereignisse mit den anderen Romanen verschränkt, denn der alternde Tramp Steamer gehörte einer Schwester von Abdul Bashur, den alten Freund und Spiegelbild Maqrolls. Sie mochte offenbar ihr Schiff so sehr, dass sie überall dort erschien, wo auch immer auf der Welt es vor Anker ging. Natürlich hatten ihre Besuche einen anderen Grund, denn ihre Liebe galt dem Kapitän, und diese Liebe wuchs in dem Maße, wie der Tramp Steamer seeuntüchtig wurde. Der Bericht des Kapitäns mündet zum Schluss in die Erinnerungen des Erzählers: Im Delta des Orinoko sinkt die Alción während der Regenzeit in den trüben Fluten. Wir finden also eigentlich eine Liebesgeschichte, bei der ein altes Frachtschiff als Symbol für die Zerbrechlichkeit der schweifenden Gefühle dient. Am Ende des Buches war mir irgendwie „Liebe in den Zeiten der Cholera“ vom alten Freund und Weggefährten Gabriel Garcia Marquez (auch hier bei Ciao vorgestellt) im Kopf… auch bei ihm hatte ich ein unendlich schönes Gefühl für seine Liebe zu den Menschen gespürt.

„Das Gold von Amirbar“

Diesen Titel widmete AM seinem Großvater, der AM als Kind auf seinem Besitz im kolumbianischen Departement Tolima stark beeindruckt hat; derart stark, dass sie bis heute den Angelpunkt seiner Existenz bilden, wie AM selbst sagt. In diesem Teil der Saga, so kann man das Werk mittlerweile ruhigen Gewissens nennen, lässt AM seinen Protagonisten mal wieder ins andere Extrem seiner literarischen Landschaften gelangen; nicht Meer und Schiffe, sondern erfundene Andentäler. In eines dieser fruchtbaren, üppigen Täler steigt der Gaviero hinab, um eine verlassene Goldmine unweit des vertrauten Cocora zu reaktivieren. Doch alles, was er dort findet, sind die Toten eines Massakers, ominöses Mahnmal der „Violencia“, die Kolumbien, nie namentlich genannt, aber unverkennbar präsent, seit Jahrzehnten verheert.

Mithilfe eines lokalen Führers öffnet Maqroll eine andere Mine, deren Eingang an einer senkrecht abstürzenden Felswand liegt und die er Amirbar tauft, weil das die Laute sind, die er im heulenden Wind zu hören glaubt. Der Gaviero ist auch in der Liebe ein Vagabund, doch diesmal hinterlässt er nicht einfach ein gebrochenes Herz, sondern bezahlt seinen hemmungslosen Freiheitsdrang beinahe mit dem Leben. Und die politische Situation wird ihm fast zum Verhängnis. Die Guerilla hat Pipelines gesprengt, und das Militär beargwöhnt den fremden Goldsucher. Maqroll verschenkt das wenige geschürfte Gold und flieht über die Kordilleren hinab an die Pazifikküste, wo er einmal mehr ein Schiff besteigt.

„Abdul Bashur und die Schiffe seiner Träume“

Die Maqroll-Geschichten sind immer eingebettet in eine ausgefeilte Rahmenhandlung. Meist werden sie als länger oder kürzer zurückliegende Ereignisse in den Erinnerungen irgendeines Ich-Erzählers (hinter dem immer AM aufscheint) angelegt oder einem Tagebuch entnommen. In diesem Roman sind es die Briefe die Maqrolls alter Kumpel Bashur an seine Schwester geschrieben hat und die, nach dessen Tod, den Erzählmotor in Bewegung setzen. Bei diesem Band handelt es sich um eine Sammlung von Materialresten, die Mutis zu Erzählungen ausbaut. Man erfährt, wie der Gaviero und Abdul Bashur vorübergehend Millionäre werden. Man liest die Liebesgeschichte Abduls und Ilonas, die dem Roman „Ilona kommt mit dem Regen“ vorausgeht. Man liest über Bashurs und Maqrolls Fährschiff, mit dem die beiden muslimische Pilger nach Mekka transportieren, unter ihnen auch das kroatische Paar, in dessen Motel der Gaviero in „Das Gold von Amirbar“ Unterschlupf findet. Die wohl stärkste Geschichte betrifft Bashur, diesen „Träumer von Schiffen“, der um die halbe Welt reist, um einen Tramp Steamer namens Thorn zu kaufen, dabei einer Inkarnation des Bösen begegnet und beinahe das Leben verliert.

„Triptychon von Wasser und Land“

Im letzten Roman der Saga, kommt ein Ende, das man wahrlich nicht erwartet hätte und ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich ein Ende ist… oder ob es nicht der erneute Anfang eines weiteren Abenteuers ist; meine eigene Erfahrung als Vater spricht für letztere Annahme. Maqroll tritt eine Patenschaft an und muss einem kleinen Jungen den Vater ersetzen. Maqrolls Freund Abdul Bashur ist tödlich verunglückt und hinterlässt einen fünfjährigen Sohn. Die beiden befinden sich auf Mallorca, der Insel – eben Wasser und Land. Zum Triptychon, also zu etwas Dreiteiligem, wird Mallorca für Maqroll wegen der Gesellschaft des Kindes.

Er gibt uns zu verstehen, dass das für ihn „von heilender Kraft“ ist, die „zwar nicht gerade einen anderen Menschen“ macht, „aber doch einen ergebenen Betrachter unseres Kampfs mit den Schatten aus mir gemacht hat, dessen einzige Würde darin besteht, das Kind am Leben zu erhalten, das wir einmal waren“. Wie schon gesagt, es bleibt zweifelhaft, ob Maqroll auf diese Weise wirklich aus dem „Labyrinth seiner unendlichen Odyssee“ herausfindet, das am Ende der Saga beschworen wird.

*          *          *

Fast wie Alfred Hitchcock in seinen Filmen, tritt AM in den Maqroll-Romanen auch selbst auf; anonym als Erzähler und Freund seines Helden oder als sein Freund Gabriel García Márquez, als Freund Maqrolls, getarnt, manchmal auch offen als der Autor AM persönlich, als Teilnehmer eines Literaturkongresses mit dem Ziel, „die Tradition der Abenteuer- und Reisebücher hochzuhalten“. Aber seine Art des Abenteuer-Romans hat nichts mit der verstaubten Abenteuer-Literatur vergangener Zeiten zu tun. Als Chronist von Maqrolls Odyssee benutzt AM, wie bereits angedeutet, auf raffinierte Weise die verschiedensten Formen: das Tagebuch, lange Gespräche in tropischen Nächten, Briefe, Aufzeichnungen, die Ich-Erzählung oder zuweilen einen apokryphen Bericht. Vermittels solcher alten Formen und Kunstgriffe gelangt Mutis zu der ganz modernen Strategie eines Erzählens, das sich fortwährend selbst reflektiert – auf völlig zwanglose Weise.

AM erinnert uns – wie jeder große Autor – daran, dass es in den wirklich bedeutenden Abenteuergeschichten um mehr geht als um aufregende Ereignisse, nämlich um eine Haltung zur Welt, ja um die Dramatik eines ganzen Lebens. Er hat in seinen Gedichten und Romanen eine Figur erfunden, an der man sich nicht satt lesen kann. Maqroll, seine Freunde und Freundinnen, Irrläufer, Reisende zur See und zu Land, auf und zwischen allen Kontinenten, Figuren der charmantesten und undurchsichtigsten Art, buchstäblich mit allen salzigen und süßen Wassern gewaschen, ziehen einen von der ersten Begegnung an in ihren Bann.
Es könnte sein, dass der Autor mit den Lektüreerwartungen der Leserinnen und Lesern ein ironisches Spiel treibt, oder zumindest könnte es so erscheinen. Doch genau diese in der Schwebe gehaltene Unklarheit in der Figur des Maqroll erzählt uns von der weitreichenden Erkenntnis, dass jede Suche nach einem Ziel immer nur auf Chimären stößt. All seine Fahrten folgen einem gemeinsamen Urgesetz: der Sinnlosigkeit und Enttäuschung. Er sagt: „Wie viele Irrwege in einem Labyrinth, in dem wir immer alles daransetzen, seinen Ausgang zu übersehen“, klagt Maqroll, „und dann, welche Eintönigkeit, wenn wir feststellen, dass es gar keine waren, dass alles, was uns zustößt, das gleiche Gesicht hat, gleichen Ursprungs ist.“ Natürlich sind die Romane voll von Anachronismen und springen in den Realitätsebenen, bilden eine eigene Welt, in der Orientierung schwer ist und die Dimensionen durcheinander zu geraten scheinen. Den Kosmos des Gaviero festzulegen zu wollen ist vergeblich; es sei denn, wir lassen uns auf ein Spiel mit dem Autor ein und entdecken – endlich – die vierte Dimension: Unsere Phantasie, unseren Geist, unser Bewusstsein… letztlich unsere Seele.

Seit ich den ersten Maqroll-Roman gelesen habe bin ich von der völlig eigenen Poesie gefesselt. Ich erinnere mich, wie ich damals lesend ärgerlich an den Schluss des Romans gelangt war und ein Jahr warten musste, bis ich einen weiteren dieser wundervollen Teile der Abenteuer lesen durfte. Die heutigen Leserinnen und Leser haben das Glück, die sieben einzigartigen Maqroll-Romane in einem Buch präsentiert zu bekommen, aber auch das Pech, dass – wenn sie es ausgelesen haben – keine Vorfreude mehr möglich ist. Aber vielleicht geht es ihnen ja wie mir… es ist mir immer wieder ein Vergnügen, meinen zauberhaften Helden lesend wieder zusehen und seinen Autor, einen skeptischen Existentialisten, der formvollendet mit jenem Zauber zu spielen weiß, der vom Erzählen ausgeht, erneut zu genießen.

Was ich bei meiner ersten Besprechung schon schrieb, findet hier erneut seine Gültigkeit: „Hier fand ich keine Magie, wie bei anderen Lateinamerikanern, sondern ich fand Mögliches…  melancholisch und philosophisch vorgetragen, mit Sensibilität für die Kleinigkeiten des menschlichen Daseins. Das Buch hielt mich auf einer, mit wenigen Worten beschriebenen, Grenze zwischen Außen und Innen, von Erdachtem und Wirklichen und ich konnte mehr als einmal, in dem ich las, wie in einen Spiegel schauen… einen Spiegel der mich sozusagen von innen zeigte.“ AM erzählt mir mit einem einzigartigen Ton gleich bleibender Ruhe, der eine sinnliche Gelassenheit innewohnt, gewissermaßen Märchen die das Leben schrieb und die mit realistischer Schärfe ins Bild gebracht werden. Das ist ein Fest für Leserinnen und Leser – auch für solche, die sonst nichts mit Abenteuerliteratur am Hut haben – die einen als Lesenden süchtig macht.

Wilfried John

Die Abenteuer und Irrfahrten des Gaviero Maqroll

Álvaro Mutis

832 Seiten – Gebundenes Buch

Verlag: Unionsverlag, Zürich – 1. Ausgabe Februar 2005

ISBN: 3-2930-0343-5

39,90 Euro

Weitere Ausgaben aus Februar 2007

ISBN: 3-2930-0361-3

24,90 Euro