Eduardo Galeano „Die Füße nach oben“

Die Welt steht Kopf

Pro: Wichtig, informativ und dennoch poetisch

Kontra: Leider wird der Lesefluss – wenn auch sehr interessant – oft unterbrochen


Sechseinhalb Milliarden Menschen. Nach den neusten Zahlen der UN, leben derzeit mehr Menschen als jemals zuvor auf dem Planeten, den wir Erde nennen. Jedoch was bedeuten diese Zahlen und zu welchem Zweck werden sie von den Medien, mit jenem drohenden Unterton in der Stimme, veröffentlicht? Oder anders gefragt: Stimmen diese Zahlen wirklich und sind sie wirklich Synonym für eine Gefahr? Nun, die Antworten auf solche Fragen sind nicht einfach zu finden; die Interessenlagen und die damit einhergehenden/verbundenen Machtverteilungen sind zu ungleich, als dass diese Antworten eindeutig identifizierbar wären. Es kommt eben – wie bei den meisten Betrachtungen – auf die Perspektive an, aus der man ein Thema in den Blick nimmt.

Wie meist in meinen Vorbemerkungen zu einem Buch, versuche ich nicht nur den im Werk enthaltenen Grundgedanken darzustellen… meist verweise ich auf die Verbindungen zur Wirklichkeit. Bei Romanen kommt es mir relativ häufig unter, dass dieser Verweis auf die Wirklichkeit, lediglich auf einer persönlichen Assoziation beruht. Bei meinen Vorbemerkungen zu dem Buch um das es hier gehen soll, besteht eine direkte Verbindung zur Wirklichkeit und korrespondiert mit jenen Antworten, von denen eben die rede war. Natürlich sind diese Vorbemerkungen auch Meinung – Ansichten aus einer bestimmten Perspektive heraus. Diese Perspektive ist die Perspektive von unten nach oben – eine Bemerkung, die für diese Besprechung von größter Bedeutung ist.

Passend zu den jüngst veröffentlichten Zahlen der UN über die numerische Größe der Menschheit, verbreitete eine Menschenrechtsorganisation die Nachricht, dass es erhebliche Zweifel an den statistischen Erhebungen der UN gäbe, da diese Statistiken auf der Datenlage der Geburtsregister beruhen. Dazu wäre aber zu sagen, dass in vielen Armuts-Ländern weltweit, ein erheblicher Teil der Geburten gar nicht erfasst würden, da die Eltern keinen Zugang zur staatlichen Daten-Infrastruktur haben. Insofern steht die Behauptung im Raum, dass die Weltbevölkerung größer als angenommen, die obige Frage also in diesem Sinne beantwortet ist. Der Fehler liegt also in der nicht erfassten Zahl von vielleicht Millionen von Kindern – Kinder ohne jedes Recht, ohne jede öffentliche Beachtung, ohne Zukunft… oder einer Zukunft, die alles andere als erstrebenswert ist.

Wäre da noch die Frage nach der Bedrohung. Ganz gleich aus welcher Perspektive heraus man versucht die Frage zu beantworten, lautet die Antwort: Es ist eine Bedrohung! Nur, was soll man unter dem Begriff Bedrohung verstehen? Aus der Perspektive der Mächtige und Vermögenden, bedeuten die vielen Habenichtse eine Bedrohung ihres Status. Für die Milliarden schutzlosen, anonymen Kinder jedoch, besteht Lebensgefahr! Sie stellen eine verfügbare Masse Mensch für jedweden Verbrauch dar… und ich erspare es mir und Ihnen, meiner Vorstellungskraft hier Ausdruck zu geben und verzichte auf die Aufzählung, was man alles mit solchen Kindern anstellen kann.

Stattdessen lasse ich lieber einen Mann zu Wort kommen, den ich in früheren Besprechungen hier schon vorstellte: Eduardo Galeano (kurz EG). Um diesen Mann zu skizzieren, schriebe ich Sätze wie diesen: „Wenn EG zur Feder greift, dann hat das Ergebnis seines Schreibens immer etwas mit Geschichte zu tun… mit Geschichten über Geschichte zumeist… und sind aus einer Sicht heraus geschrieben, welche nicht die Sicht der Sieger ist.“ Bei dem Buch „Die Füße nach oben…“, um das es hier geht, muss ich diesen Satz erweitern. Es geht nun nicht ausdrücklich um Geschichte im Sinne von historischen Gegebenheiten, sondern es geht um die Betrachtung der Gegenwart und wie sie sich aus der Historie heraus entwickelte. Vor dreißig Jahren hat EG Ähnliches unternommen – das Ergebnis war „Die offenen Adern Lateinamerikas“, ein Buch das an allen Universitäten dieses Erdteils zur Pflichtlektüre geworden ist.

Spätestens seit „Die offenen Adern Lateinamerikas“ ist EG international bekannt, wenn auch nicht überall geachtet. Zur Vorstellung des Autor zitiere ich seinen Lebenslauf aus einer meiner früheren Besprechungen… ich kann ihm ja keine andere Biographie erfinden: Der 1940 in Montevideo/Uruguay geborene EG war scheinbar immer schon ein kritischer Mensch… denn nicht umsonst, arbeitete er schon im Alter von fünfzehn Jahren als Karikaturist für die Zeitung „El Sol“ und setzte dann seine journalistische Laufbahn weiter fort, wurde Chefredakteur der „Marcha“ und schließlich Direktor der Tageszeitung „Epoca“. Nach jahrelanger autoritärer Innenpolitik in Uruguay und Auseinandersetzungen um soziale Gerechtigkeit, nach Kämpfen der linken Partisanengruppe „Tupamaros“, mit denen EG sympathisierte, musste er dann aus politischen Gründen Uruguay verlassen… und fand in Argentinien Exil.

Sofort begann er erneut zu arbeiten und gründete die bekannte Zeitschrift „Crisis“… und wurde er wieder Zielscheibe der Mächtigen. 1976 putschte das Militär in Argentinien und errichtete eines der schlimmsten Regime auf lateinamerikanischem Boden… EG konnte nach Spanien entkommen, wo er bis 1985 bleiben musste, ehe er nach Uruguay, das zur Demokratie zurückgekehrt war, zurück konnte. In der ganzen Zeit seines Exils aber, erarbeitete sich EG den Ruf eines unabhängigen Journalisten und Publizisten, der dem ungehemmten, ausbeuterischen, Wirtschaftsliberalismus eben nicht das Wort redet, ihm Gegenteil dazu unerschütterlich einen sozialistischen Gegenentwurf vorhält.

Das Buch um das es hier geht lautet im vollen Titel: „Die Füße nach oben – Zustand und Zukunft einer verkehrten Welt“. Und mit verkehrter Welt meint EG, dass die Welt auf dem Kopf steht – und eben nicht, was dem natürlichen Zustand gemäß wäre, auf den Füßen. Natürlich ist der Titel eine Metapher – aber wer erwartet, dass damit ein Produkt der Phantasie, der Kunst übertitelt wäre, der irrt. Das Buch ist – wie das oben erwähnte Vorgängerwerk – eine messerscharfe Analyse der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse; diesmal nicht nur von Lateinamerika, sondern der ganzen Welt; wenngleich diese Analyse natürlich sehr von der lateinamerikanischen Perspektive heraus geschrieben wurde. Insofern ist das Buch ein politisches, sozialkritisches und gedankenscharfes Werk, in dem EG den Versuch unternimmt, minutiös zu unterbreiten, wie es kam, dass Welt den Kopf gestellt wurde.

Schwerpunkte seiner Betrachtungen sind die weltweiten sozialen Missstände aus völlig ungleicher Verteilung, die daraus sich ergebende, oder diese Missstände bedingende, Ungerechtigkeit und die politischen Skrupellosigkeiten, mit denen diese Ungerechtigkeiten manifestiert wurden und werden. Auch die Helfershelfer des Systems, ein Großteil der Medien, werden analysiert und dafür verantwortlich gemacht, warum die überwältigende Mehrheit der Menschen, dieses System kritiklos hinnehmen. Das Buch erschien im Jahre 2000 und ist dennoch nicht eines jener Bücher, wie sie zum sog. Jahrtausendwechsel haufenweise heraus kamen und Jubelarien auf die neue Zeit sangen – dieses Buch ist das, was es verspricht zu sein: Eine schonungslose Bilanz zum Jahrtausendwechsel. Wenn sich das bisher gesagte den Eindruck erweckt haben sollte, als handele sich bei diesem Buch um ein staubtrockenes Sachbuch, dann ist das mitnichten der richtige Eindruck. Gewiss, EG wartet mit genauestens recherchierten Fakten auf, gewiss, die Vielzahl der Beispiele kann erdrückend wirken, doch EG ist kein Sachbuchautor – er ist ein außergewöhnlicher Schriftsteller, der es versteht, seinen Stoff so zu erzählen, dass er nie langweilig und ermüdend wirkt.

Natürlich kann man nicht erwarten, dass das Werk gute Unterhaltung bietet, dazu ist das Thema kaum geeignet, aber die überraschenden Perspektivwechsel, der Sarkasmus und die literarische Eleganz der Texte, machen das Lesen dennoch zu einer anderen Art Genuss, der Faszination auslöst. Diese Faszination wird auch dadurch möglich, weil das Buch auch ohne größeres Vorwissen verständlich ist – EG verlässt sich darauf, dass die meisten Menschen ein Gespür dafür haben, dass die Verhältnisse in Europa, Amerika oder global einfach nicht okay sein können, ohne dass sie vielleicht immer im Einzelnen Erklärungen parat haben. EG bietet aber nicht etwa diese Erklärungen an, sondern er beschreibt Situationen so, dass sich Einzelne plötzlich in der Lage sehen, sich selbst Erklärungen zu geben und Konsequenzen überschaubar werden. Genau das schätze ich an EG über alles – er regt die Phantasie der Lesenden an, damit sie sich aus den Erklärungen heraus, auch vorstellen können, wie die Welt wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden könnte.

EG geht es, wie gesagt, nicht nur darum die harte Faktenlage offen zulegen und Gegenwart in ein klares Licht zu rücken, es geht ihm auch um die Zukunft; wie der Untertitel ja ankündigt. Wenn es stimmt, dass die Zukunft der Gesellschaften in ihren Kindern liegt, dann ist es schon fast zwangsläufig, dass sich EG ausdrücklich auch um die Situation der Kinder kümmert, nicht nur der Kinder in den Ländern des Südens. Ein weiteres großes Thema ist für EG die weitgehende Straffreiheit derer, die mit ihrem Tun unter dem Vorwand der Globalisierung, unseren Planeten vergiften, sich unter Missachtung von Menschenrechten bereichern oder mit ihrer Medienmacht den kulturellen Verfall ganzer Gesellschaften vorantreiben. Dabei sollten wir uns im Norden nicht so sicher fühlen – denn es könnte ein Szenario unserer Zukunft sein, dass es uns bald ebenso ergeht, wie denen, um die es im vorliegenden Buch hauptsächlich geht – den Armen des Südens. Aus dieser Perspektive bekommt der Titel auch ein polemisches Gewicht…

Ich habe keine Ahnung ob die Form der Darbietung des Stoffes auch als Provokation, als Polemik gedacht war, aber als solche kann man sie verstehen – wenn man nicht auf der Linie von EG ist. Das Werk ist in der Form eines Schulbuchs angelegt und an Anfang ist das Inhaltsverzeichnis als „Lehrplan“ abgedruckt. Es gehört zu einer guten Buchvorstellung, eine Übersicht der enthaltenen Themen zu bieten und natürlich möchte ich eine gute Besprechung abliefern. Da es mir sehr schwer fällt einzelne Inhalte des Buchs aus dem Zusammenhang heraus zu lösen, möchte ich das Inhaltsverzeichnis, den Lehrplan zitieren. Man wird feststellen, dass allein schon diese wenigen Zeilen geeignet sind, Gedanken anzuregen oder Alarm zu schlagen – je nach dem, auf welcher Seite man steht:

Lehrplan

Die Schule der Welt auf dem Kopf

  • Erziehung durch Vorbild
  • Die Schüler
  • Grundkurs in Ungerechtigkeit
  • Grundkurs in Rassismus und Männlichkeitswahn

Angstunterricht

  • Die Lehre von der Angst
  • Die Industrie der Angst
  • Werkunterricht: Wie bastelt man sich einen Feind nach Maß

Ethikseminar

  • Handarbeitsunterricht: Wie man im Leben Erfolg hat und neue Freunde gewinnt
  • Lektionen gegen nutzlose Laster

Meisterkurs in Straffreiheit

  • Fallbeispiele
  • Die Straffreiheit der Menschenjäger
  • Die Straffreiheit der Vernichter des Planeten
  • Die Straffreiheit des heiligen Motors

Pädagogik der Einsamkeit

  • Lektionen der Konsumgesellschaft
  • Intensivkurs in Kommunikationslosigkeit

Die Gegenschule

  • Verrat und Versprechen am Ende des Jahrtausends
  • Das Recht auf Phantasie

Und all diese Fächer werden eingeleitet mit dem Zitat: „Heutzutage haben die Menschen vor nichts mehr Achtung. Früher hoben wir die Tugend, die Ehre, die Wahrheit und das Gesetz aufs Podest… Heute treibt die Korruption im Leben Amerikas ihr Unwesen. Wo kein anderes Gesetz geachtet wird, ist die Korruption das einzige Gesetz. Die Korruption unterhöhlt dieses Land. Tugend, Ehre und Gesetz sind spurlos aus unserem Land verschwunden.“ Ich sehe schon viele fragende Gesichter… und sie scheinen zu fragen, was das Zitat bitte mit Polemik zu tun hat. Ich höre auch eine Menge Beifall… von den Rechtschaffenen und Gesetzestreuen, die es schon immer wussten. Nun, das Zitat ist aus dem Jahre 1931… und gesagt hat das ein gewisser Al Capone.

Das in diesem Sinne eingeleitete Buch zeigt schon die Tendenz seines Inhalts. Diese Tendenz wird in den einzelnen Punkten unter den Hauptüberschriften des Lehrplans zur Gewissheit gesteigert. Jedem der einzelnen Punkte ist eine kurze polemische Ansage vorangestellt, die in den darauf folgenden Texten ausführlich ausgeführt, konkretisiert und interpretiert. Es reizt mich sehr, alle diese einleitenden Polemiken zu zitieren… aber das würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen. Da ich jedoch ahne, dass es wohl einige Neugierige unter den Lesenden geben wird, will ich doch wenigstens den ersten kurzen Text hier einfügen. Unter der Überschrift „Erziehung durch Vorbild“ steht zu lesen: „Die Schule der verkehrten Welt ist die demokratischste aller Bildungseinrichtungen. Es gibt keine Aufnahmeprüfung, keine Aufnahmegebühr, und alle Kurse sind überall und für jeden gratis, wie auf Erden also auch im Himmel. Schließlich ist sie ja eine Tochter des Systems, das zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit auf der ganzen Welt die Macht errungen hat. In der Schule der verkehrten Welt lernt das Blei schwimmen und die Korken untergehen. Die Schlangen lernen fliegen und die Wolken lernen, am Boden entlang zu kriechen.“

Eingelagert in die Texte gibt es eine Vielzahl unterschiedlichster Vignetten zu bestaunen. Inhalt dieser Einsprengsel sind teils wunderbare Holzschnitte von dem mexikanischen Künstler Jose Guadeloupe Posada, teils Zitate aus offiziellen Schriften oder Zeitschriften, sowie Lyrik und Prosa von EG persönlich. Wenn das Buch in seiner Wirkung eher ein Sachbuch ist, so sind diese Vignetten kleine literarische Kostbarkeiten. Allein die Tatsache, dass sie immer wieder den Lesefluss unterbrechen ist ein wenig ärgerlich… wobei ich darum bitte, dieses ärgerlich nicht im wörtlichen Sinne zu nehmen. Diese Einsprengsel hemmen das ungebremste Durchlesen und sorgen so für ein aufmerksameres Studieren des Werkes. Und warum sollten sich die Lesenden nicht auch ein bisschen Mühe geben? Schließlich hat das der Autor ebenfall getan!

Ich muss wohl nicht erst extra hervorheben, dass ich nicht nur ein Bewunderer des Gesamtwerks dieses Autors bin und auch politisch völlig mit ihm übereinstimme – insofern bewundere ich dieses Werk und gebe zu Protokoll, dass ich das Buch für das politischste Buch seit Jahren halte. Dabei ist EG immer in der Lage, das Politische in eine Sprache zu kleiden, die bildreich, phantasievoll und dennoch einfach ist und die EG (wie in seinen bisherigen Werken auch) virtuos beherrscht. Insofern ist dieses Werk, nach meiner bescheidenen Meinung, auch so etwas wie das unterhaltsamste politische Buch seit Jahren, das ebenso wie „Die offenen Adern…“ zu einem Standartwerk an Universitäten werden wird… das aber nicht für die Elfenbeintürme der Bildungsstätten geschrieben wurde.

EG ist, meiner Meinung nach, weit davon entfernt, gewissen Verfolgungstheoretikern nach dem Munde zu reden und ebenso weit davon entfernt, einseitig Schelte an den üblichen Verdächtigen, die USA, auszuteilen. Er benutzt allgemein zugänglich Quellen aus den Zentralen der Macht und konfrontiert somit diese Zentralen –  Weltbank, IWF, UN etc. – mit sich selbst. Das erlaubt uns einen Blick hinter die Kulissen der Mächte in diesen Machtzentralen. Das Buch könnte uns auch eine Warnung sein, eine Warnung vor der immer hemmungsloseren Ausbeutung des Planeten, der auf ihm lebenden Menschen und der Zerstörung der kulturellen Lebensgrundlagen – und diese Warnung richtet sich an diejenigen, die sich heute noch sicher fühlen.

Das Verdienst dieses Buches ist es auch, dass es denjenigen Menschen, die schon heute Opfer sind und in den Massen-Desinformationsmedien praktisch nicht mehr genannt werden, eine Stimme verleiht. An dieser Stelle möchte ich dem Verlag Hammer danken, der ein solches Buch in diesen Zeiten des neoliberalen Mainstream heraus brachte und eine Erwähnung (und mehr als das) verdient auch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland, das die Mittel zur Übersetzung des Buches aus dem uruguayischen Spanisch durch die „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.“ bereit gestellt hat. Ich hoffe, dass auch die neue Regierung entsprechende Aktivitäten zeitigt.

Für mich gehört dieses Buch an die Schulen. Doch da ich ahne, dass sich die Kultusministerkonferenz wird nicht dazu durchringen können, das Werk in den Schulbuch-Kanon aufzunehmen, sollten alle Eltern, die guten Willens sind, das Buch erst selbst lesen und dann ihren Kindern schenken; gerade die heutigen Jugendlichen werden es brauchen. Auch wenn das Buch schon im Jahre 2000 hier in Deutschland erschien, ist es aktuell… oder ich sollte besser sagen, leider aktueller denn je. Man muss auch leider keine Sorge haben, dass sich das alsbald ändert und so endet EG mit einer Nachbemerkung: „Der Autor beendete dieses Buch im August 1998. Wenn Sie wissen möchten wie die Geschichte weiter geht, lesen, hören oder sehen sie täglich die Nachrichten.“

Um noch einmal die Bedeutung zu unterstreichen die das Buch für mich hat, möchte ich diese Besprechung mit einem Zitat beenden, das ich für geeignet halte, uns für die These von der Welt auf dem Kopf zu sensibilisieren: „Soll diese Freiheit, die Freiheit, unter drohenden Missgeschicken zu wählen, unsere einzige Freiheit sein? Die verkehrte Welt bedeutet uns, die Wirklichkeit zu ertragen, anstatt sie zu verändern, die Vergangenheit zu vergessen, anstatt ihr zuzuhören, und die Zukunft hinzunehmen, anstatt sie uns vorzustellen… Doch es ist bekannt, dass es kein Unglück ohne Glück gibt, keine Seite, die nicht ihre Kehrseite hat und keine Mutlosigkeit, die nicht den Mut sucht. Und es gibt auch keine Schule, die nicht ihre Gegenschule hat“:

Wilfried John

Die Füße nach oben…

Eduardo Galeano

360 Seiten – Broschiertes Buch

Verlag: Hammer – Aus 2001
ISBN: 3-8729-4842-3

19,90 €

Nachsatz: Wer sich die praktische Umsetzung der politischen Vorstellungen des Autors anschauen möchte, dem sei die Internet-Seite                       empfohlen. Was in diesem kleinen Land, das selbst in Lateinamerika kaum Beachtung findet und (wohlweislich) in den Medien kaum stattfindet, möglich war und ist, sollte in fortschrittlichen, zivilisierten und reichen Ländern, mit aufgeklärten, engagierten und mitmenschlich denkenden Menschen ebenso möglich sein.