Gabriel Trujillo Muñoz „Erinnerung an die Toten“

Erinnerung an die Toten
Gabriel Trujillo Muñoz
252 Seiten – Broschur
Verlag: Unionsverlag Zürich – Aus 2007
ISBN: 978-3-293-00378-1
14.90 €uro
Antiquarisch billiger

Pro:
Schnörkellos und ohne Pathos erzählte Schrecklichkeiten
Kontra:
Das eine oder andere Klischee…
Im Zentrum des Randes

Menschenrechte. In der „Erklärung der Menschenrechte“ durch die Vereinten Nationen von 1948 und in der „Konvention zum Schutz der Menschenrechte“ durch den Europarat von 1950, wurde festgestellt, dass jedem Menschen von Natur aus – also durch die Tatsache seiner Geburt – gewisse unverlierbare und unantastbare Rechte zustehen; was so erstmals die Französische Nationalversammlung von 1789 erklärte. Sie sollen vor allem Übergriffe des Staates verhindern und den Staat verpflichten die Würde des Menschen schützen. Das hat natürlich seine Geschichte, denn wo Rechte definiert werden, gab es dafür eine Notwendigkeit das zu tun.
Die ursprünglich definierten Rechte sind: Das Recht auf Leben, Freiheit und Unverletzlichkeit der Person, Gleichheit, Glaubens-, Gewissens- und Meinungsfreiheit, das Recht auf Eigentum und das Widerstandsrecht. Im 19. und 20. Jahrhundert fanden, im Zuge der Demokratisierung vor allem in Europa, weitere Rechte allgemeine Anerkennung: Wahlrecht, Versammlungs-, Vereinigungs- und Pressefreiheit, Recht auf gerechten Lohn, Urlaub und Streik und das Recht auf Bildung; die auch als demokratische Mitbestimmungsrechte und soziale Rechte bezeichnet werden.
Die Menschenrechte wurden zwar sehr oft feierlich proklamiert und in Verfassungen aufgenommen (auch unser Grundgesetz ist eine Menschenrechts-Verfassung), diese Rechte wurden und werden aber täglich in aller Welt gebrochen und sogar mit Füssen getreten. Bei den Rechtsbrechern finden wir beileibe nicht nur die üblichen Verdächtigen aus den sog. unzivilisierten Staaten – die sog. zivilisierten Länder, sind mit von der Partie (z.B. am Grenzzaum zwischen den USA und Mexiko), wenn es darum geht, z.B. im Namen der Profitabsicherung von Unternehmen, Menschenrechte zu missachten oder zumindest Menschenrechtsverletzungen widerspruchslos hinzunehmen.
Bevor wir jedoch die USA (wieder einmal) scheel anschauen, vergessen wir nicht, dass sich auch die EU auf die Einhaltung der Menschenrechteverpflichtet hat… und ein ebensolches martialisches Grenzregime betreibt wie die USA. Das EU-Grenzsicherungssystem Frontex, das Menschen zu immer gefährlicheren Fluchtwegen treibt, weil es keine ungefährlichen Wege mehr offen lässt, ist dafür verantwortlich, dass vor den Küsten Italiens, Maltas, Griechenlands und Spaniens von 1993 bis 2012 bereits mehr als 17.000 Menschen (im selben Zeitraum starben am Grenzzaun Mexiko/USA ca. 2000 Menschen) umgekommen sind. Diese Menschen sind aber vor Kriegen und Verfolgung, aus Elend und existentiellen Gründen auf der Flucht, die auch von Europa verursacht werden.
International ist die Situation überall dort, wo Regierungen sog. Freihandelszonen oder – noch schlimmer – Exportproduktionszonen (EPZ) eingerichtet haben, himmelschreiend. In Mexiko, direkt an der Grenze zur USA, liegt eine der größten und brutalsten EPZ, die hier Maquiladoras genannt werden: Tijuana. Die USA, die Erfinder der Menschenrechts-Verfassung, haben nicht nur kein Problem damit, sondern pressen von der Arbeitskraft bis zum bloßen Mensch-Sein alles aus den Menschen, die gezwungen sind in dieser EPZ zu leben.
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Und hier ergibt sich der Zusammenhang mit dem hier zu besprechenden Buch – das nicht etwa eine Veröffentlichung über die sozialen Missstände in solchen Exportproduktionszonen ist, sondern ein Kriminalroman; besser gesagt, es handelt sich um zwei kurze Krimis von einmal ca. 180 und einmal ca.60 Seiten: „Erinnerung an die Toten“ von Gabriel Trujillo Muñoz. Das Buch enthält zwei ältere Texte des Autors, ist aber im Original auch erst 2006 in Mexiko-City erschienen. Vor Jahren schrieb ich, dass es dem Unionsverlag aus Zürich wieder einmal gelungen sei, einen hierzulande völlig unbekannten Autor aufzuspüren und uns vor die geneigten Augen zu bringen. Nun, am Bekanntheitsgraddieses Autors hierzulande hat sich – bedauerlicherweise – kaum etwas geändert.
In genau der oben genannten Landschaft, der Grenzregion zwischen den USA und Mexiko, sind die beiden Geschichten angesiedelt. Ich möchte natürlich nicht die Behauptung aufstellen, dass das Buch sozusagen als Reportage zu lesen sei, aber ich möchte hier einmal mehr auf die Rolle der Kriminal-Literatur in Lateinamerika hinweisen. Dazu zitiere ich einen Textabschnitt, den ich anderweitig schon verwendete: Wenn man ganz allgemein davon spricht, dass in anspruchsvollen literarischen Werken oft nicht das zu lesen ist, was Autorinnen und Autoren eigentlich zum Ausdruck bringen wollen, dann nehmen wir das als eine Selbstverständlichkeit hin. Das trifft gerade bei der Krimi-Literatur nicht zu – meist nehmen wir sie als reine Unterhaltung. Gerade in Lateinamerika hat sich in den letzten Jahren aber eine Art Krimi-Literatur herausgebildet, die mehr sein will, die mehr sein muss. Die Autoren einfach als Kriminalschriftsteller zu bezeichnen, greift bei weitem zu kurz, denn diese Autoren wollen – ganz in der engagierten Tradition der Lateinamerikanischen Literatur – auf die aktuelle Wirklichkeit verbessernd einwirken.
Als Beispiele können hier Leonardo Padura, Ramon Diaz-Eterovic oder Pablo de Santis (alle hier bei Ciao vorgestellt) genannt werden. In dem sie ihre Sicht der Dinge, ihre Analysen und Lösungsansätze in die populäre Form des Kriminalromans bringen, versuchen sie einem breiteren Publikum die Wahrheiten hinter den Fassaden der Wirklichkeit näher zu bringen. Tatsache ist, dass ich – im allgemeinen nicht eben der fleißigste Krimileser – in dieser Form des Geschichten-Erzählens, ebenso anspruchsvolle Literatur entdecken kann, wie sie mir seit jeher in den wichtigen Werken Lateinamerikanischer Literatur vor die äußeren und inneren Augen trat. Vielleicht ist das nicht einmal mehr typisch für Lateinamerikanische Literatur, weil es in anderen Literaturen ebenfalls solche Tendenzen gibt… aber das sollen dann andere Rezensenten aufarbeiten.
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In diesem Fall muss ich – aufgrund der biographischen Daten – davon ausgehen, dass der Autor von den unsäglichen Zuständen an der us-amerikanisch/mexikanischen Grenze genaue Kenntnis hat. Um meine These etwas besser zu untermauern, stelle ich den Autor kurz vor: Gabriel Trujillo Muñoz (kurz GTM) wurde 1958 in Mexicali in Baja California geboren, direkt an der Grenze zu den Vereinigten Staaten. Dort verbrachte er auch seine Kindheit und Jugend. Über seinen familiären Hintergrund konnte ich nichts weiter ermitteln… aber vielleicht kommt es darauf auch nicht so an, sondern darauf, was er aus sich gemacht hat und vor allem darauf was er tut.
GTM studierte an der Universität von Guadalajara Medizin. In den Achtzigerjahren – er arbeitete damals als Chirurg – nahm er intensiv am künstlerisch-intellektuellen Leben Mexicalis teil und begann, Essays, Lyrik und Romane zu schreiben, die das Leben in der Grenzregion reflektierten. Mit der zunehmenden Professionalisierung des nordmexikanischen Literaturbetriebs in den letzten Jahren trat die Medizin immer weiter zurück, und das Schreiben wurde zu seinem Hauptberuf.
GTM ist heute einer der meistveröffentlichten Autoren seiner Heimat. Zudem hat er eine Professur für Kommunikationswissenschaften an der Universidad Autónoma de Baja California inne und fungiert als Herausgeber der Zeitschrift Semillero. In all diesen Funktionen steht sein Engagement für die Einzigartigkeit der sog. Frontera und ihrer kulturellen Identität im Mittelpunkt. Diese Grenze, an der die USA und Mexiko, reich und arm, Norden und Süden so radikal aufeinandertreffen und Menschen und Drogen gehandelt werden, ist seine Kontrastfolie für die nationale Identität Mexikos, aber auch ganz allgemein für den Menschen an der Wende zum 21. Jahrhundert.
Von besonderer Bedeutung hierbei ist die Kriminalliteratur. Erstmals wandte sich GTM diesem Genre 1987 zu, aber erst mit dem „Auftauchen“ seiner Detektiv-Figur Miguel Ángel Morgado, ein auf Menschenrechte spezialisierter Anwalt, wurde er damit richtig erfolgreich. Mit GTM hält in die mexikanische Kriminalliteratur eine neue, periphere Sichtweise Einzug und der Autor war Mitinitiator eines regelrechten Krimibooms Mitte der Neunzigerjahre in Mexiko, der mit der bis dahin in der Literatur vorherrschenden Konzentration auf die Hauptstadt brach und das gesamte Land als literarischen Schauplatz von Korruption, Verrat, Sehnsüchten und Leiden entdeckte.
GTM wurde mit zahlreichen Preisen für sein sehr umfangreiches Werk (130 Bücher… nicht nur Krimis) gewürdigt. So erhielt er beispielsweise den Premio Estatal de Literatura 1992 in der Kategorie Kulturjournalismus, 1994 in der Kategorie Roman, 1994 und 1996 in der Kategorie Poesie und 2000 in der Kategorie Erzählung, Zudem erhielt er 1998 den Premio Excelencia Frontera, 1999 den Premio Narrativa Colima und 2004 den Premio Nacional de Poesía Sonora.
„Erinnerung an die Toten“ (180 Seiten)
Die Stimmung in der „Frontera“ ist nicht so recht zu beschreiben. Alles ist in Unsicherheit, niemand ist sich seines Lebens sicher, im Alltag scheint alles aus Gewalt zu bestehen und Besserung ist nicht in Sicht. In „Erinnerung an die Toten“ bringt GTM das Unsagbare in drei kurzen Sätzen auf den Punkt und eröffnet so seine Story: „Der Tag erwachte in Mexicali, so als ob die Welt verwundet wäre: eine rötliche Staubwolke bedeckte den Himmel. Kein Vogel am Himmel. Das Leben erwachte mit einem aufsteigenden Flugzeug, das seine erste Ladung Insektizide über die sich zu beiden Seiten der Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten erstreckenden Rüben- und Zwiebelfelder versprühte.“
Das ist das Umfeld, die Landschaft, zwischen Mexiko und den USA. Es ist kein Geheimnis, dass hier Menschenleben nicht viel zählen. An der Grenze zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden zählen nur Dollars… ganz gleich wie sie erworben wurden. Hier arbeitet Miguel Angel Morgado als Rechtsanwalt. Während Politiker in Skandale und Affären verstrickt sind und Drogenbarone durch Gewalt den öffentlichen Raum korrumpiert und übernommen haben, kann man Miguel Angel Morgado nicht kaufen.
Dieser Anwalt wird von einer Frau beauftragt, die Vergangenheit ihrer Familiengeschichte zu durchleuchten und die Hintergründe des Todes Ihres Vaters heraus zu finden. Dieser Mann war einst berühmt, ja geradezu legendär… Emilio Esquer Laguna, so sein Name, war einst Gouverneur des mexikanischen Bundesstaates Baja California. Nach den polizeilichen Akten, starb er 1963, kurz vor dem Attentat an John F. Kennedy, unter fraglichen Umständen im Bett einer Prostituierten – Herzinfarkt. Bertha, so der Name der Tochter, traut sich nun – Jahrzehnte später – der Wahrheit ins Auge zu blicken und die wirklichen Umstände seines Todes ans Licht zu bringen. Sie zweifelt schon lange an der offiziellen Version und hat auch schon selbst geforscht, nun kommt sie nicht mehr alleine weiter.
Doch bevor Morgado seine Ermittlungen aufnehmen kann, muss er Bertha in Sicherheit bringen, denn ihre bohrenden Fragen scheinen Geister der Vergangenheit geweckt zu haben. Einerseits ist der Fall ist überaus heikel, weil Morgados Auftraggeberin gleichzeitig die Schwester von John Salivie ist, Senator im benachbarten Kalifornien, andererseits kann er gerade deshalb Bertha mitsamt ihrer Hausdame und ihrem Bodyguard nach Kalifornien bei ihrem Bruder sicher unterbringen. Gleichzeitig gibt sein Aufenthalt in Kalifornien dem Anwalt die Gelegenheit alte Spuren aufzunehmen, denn der alte mexikanische Gouverneur starb in einem Motel auf der us-amerikanischen Seite der Grenze.
Die Ereignisse sind in Bewegung geraten und der Fall verkompliziert sich. Je mehr er ermittelt, umso widersprüchlicher erscheinen die skandalösen Vorfälle von einst. Morgado, der erfahrene Anwalt und Ermittler, ahnte es schon, dass er (wieder einmal) in eine sehr schmutzige Geschichte geraten war, die unter Umständen tödliche enden wird. GTM bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „So war sie, die Welt von heute: ein Hinterhalt. Das Gesetz des Stärkeren im öffentlichen wie im privaten Leben. Es gab keine Landeshoheit mehr und keine unverletzlichen Grenzen. Handschuhe waren überflüssig. Die Schläge kamen direkt. Ohne Schiedsrichter.“ Ihm wird allmählich klar, dass bei all den politischen Verstrickungen der Wahrheit und Gerechtigkeit wohl kaum zu ihrem Recht verholfen werden kann.
„Schmierenkomödie“ (60 Seiten)
Wie schon in seinem Werk „Tijuana Blues“ (auch hier bei Ciao vorgestellt), sind auch in diesem Buch mehrere Geschichten enthalten; genauer gesagt: zwei. Gewiss nicht als Zugabe gibt es noch die Kurzgeschichte „Schmierenkomödie“. Hier zeigt sich GTM als meisterhafter Erzähler, der elegant, spritzig und mitreißend eine Geschichte voller überraschender Wendungen erzählen kann. Natürlich tritt Morgado erneut in Aktion. Der Anwalt wartet auf seinen Flieger und lässt gedanklich die Ereignisse der letzten Tage Revue passieren. Auch in dieser Geschichte geht es um die „Frontera“… diesmal nicht um korrupte Politiker, sondern um Drogenschmuggel und dem große Reibach.
Trotz aller Kürze, enthält die Kurzgeschichte alle Zutaten eines spannenden Krimis: Tote Briefkästen, falsche Anwälte und Agenten. Sie alle sind hinter einem vermissten Hubschrauber her. Auch in diese Geschichte ist der Ermittler wieder einfach so rein geraten: Der Pilot des Hubschraubers ist der Ehemann von Morgados Schulfreundin Cecilia. Bald musste er spüren, dass er nur als Marionette in einem abgekarteten Spiel zwischen mexikanischer Bundespolizei und US-Geheimdienst fungiert. Die Trennlinien zwischen Strafverfolgern und Verbrechern, zwischen der politischen Klasse und mafiösen Strukturen sind unscharf, und es ist selten eindeutig, wer eigentlich hinter wem her ist und wer wen manipuliert – wenn es dem eigenen Vorteil oder der Staatsräson dient. Doch diesmal geht die Geschichte gut aus… oder, besser gesagt, nicht ganz so schlecht für ihn.
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GTM beeindruck mich einmal mehr mit der Anlage seiner Geschichten: Er schreibt eben nicht nur eine x-beliebige Kriminalgeschichte mit einem gewissen Lokalkolorit, sondern – ganz in der oben beschriebenen Art der lateinamerikanischen Autoren. Mindestens genauso spannend wie der Plot der Krimis an sich, sind die Darstellungen der immensen und in Gewalttätigkeit mündenden Interessengeflechte und -konflikte, die zwischen reichen und armen Ländern herrschen. Diese stellen sich zwar an jener unsäglichen Grenze zwischen den USA und Mexiko dar, weisen aber auch ganz allgemein darauf, dass in Zeiten der Globalisierung, mit all ihren ökonomischen und sozialen Konflikten, dass Verbrechen und Korruption überall dort zu einembestimmenden Faktor werden, wo die politische Kontrolle (wegen ökonomischem Druck, schwacher öffentlicher Ausstattung oder weil die eigentlich verantwortlichen Personen geschmiert sind…) versagt.
Es ist kein Zufall, dass GTM solche Zusammenhänge herstellt, denn er erlebt sie seit seiner Jugend und schließlich liefern sie den spannenden Stoff für seine Erzählungen. Schließlich ist die Frage, wie diese Geschichte begonnen hat und welche Zusammenhänge sich hinter den herrschenden Zuständen verbergen, nicht minder spannend. Überdies stellt GTM in diesem Krimi unter Beweis, dass es auch in diesem Genre einen Unterschied macht, ob ein Autor in der Lage ist, in dieser einfachen Krimi-Sprache Sinn für die Poesie zu entwickeln… und so über den ach so klassischen Detektiv-Roman hinaus zu gelangen. Hinzu kommt sein Protagonist: Er ist der Mann, der Autorität und Vertrauenswürdigkeit verkörpert und seine unaufgeregte Art macht ihn zu einem Sympathieträger. Keine Frage, diese Figur spielt für die Qualität des Romans eine herausragende Rolle.
Aber natürlich erschöpfen sich die Qualitätsmerkmale nicht allein in der Figur des Detektivs. Die Storys von GTM (jedenfalls alle, die ich kenne) sind in sich schlüssig und sehr gut durchdacht. Sein Erzählstil „zeigt klare Kante“ und er erzählt mit großer Klarheit. Seine Sprache ist trocken prägnant, dabei immer wieder bildreich und assoziativ, sie erzeugt Tiefgang. Nicht vergessen will ich, seinen schwarzen Humor zu erwähnen, der aber nie ins Zynische abdriftet. In diesen beiden Geschichten sind keine Längen zu bemerken, zeigt sich kein Spannungsabfall und passiert oft Überraschendes. GTM muss seine schriftstellerischen Absichten nicht extra erläutern und es bedarf des in dieser Ausgabe enthaltenen kurzen Manifest „Miguel Ángel Morgado: Die Wurzeln des Grenzdetektivs“ eigentlich nicht.
Wie ich schon in meiner Besprechung von „Tijuana Blues“ schon feststellte: Ich bin von diesem Autor und auch von diesem Buch ziemlich begeistert. Damals gab ich zu Protokoll, dass ich als ein nach neuer Literatur Suchender, auf ein Meisterwerk gestoßen bin. Ich bezeichnete damals GTM als Entdeckung des Jahres. Es ist wunderbar, wenn man seine Ansichten in einer weiteren Veröffentlichung desselben Autors bestätigt bekommt. Nach wie vor hat GTM die Themen die mir am Herzen liegen, er untersucht die Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart und versteht sein Handwerk so gut, dass er sich nicht vor den Klassikern des Genres verstecken muss… doch hat er dem Genre nicht nur eine weitere interessante Detektiv-Figur hinzugefügt, sondern etwas ganz Eigenes, ganz Unverwechselbares geschaffen.

Wilfried John