Juan Carlos Onetti „Willkommen, Bob“

Das Glück ist das Anders

 

Glück. Es gibt Worte und Begriffe, die wir alle völlig zu verstehen meinen… und die dennoch fortwährend zu Missverständnissen und sogar Streit Anlass geben. Kaum ein Wort oder ein Begriff ist dafür so exemplarisch wie das Wort oder der Begriff Glück. Unsere Sprache zeichnet sich eigentlich unter anderem auch dadurch aus, dass sie uns meist sehr präzise Worte und Begriffe zur Verfügung stellt. Ausgerechnet bei diesem Wort Glück macht unsere Sprache eine (verdächtige?) Ausnahme. Glück kann einerseits einen Vorgang meinen, in dessen Verlauf jemandem unverhofft etwas Positives widerfährt, im Sinne von Glück haben, andererseits meint das Wort Glück auch einen Moment des Wohlgefühls, im Sinne von glücklich sein. Darüber hinaus könnte es auch einen längeren Zeitraum beschreiben, im Sinne von ein glückliches Leben, oder sich, allgemeiner, auf etwas Gelingendes beziehen, im Sinne von geglücktes Unternehmen.

 

Um zu einer genauen Definition zu gelangen, habe ich mich bemüht, die etymologische Herkunft zu untersuchen und fand, dass das Wort Glück von dem mittelhochdeutschen Wort Gelücke abstammt, das seinerseits vom Verb gelingen abgeleitet sein soll, das sich wiederum aus leicht gebildet habe. Somit meinten die Menschen ursprünglich mit dem Wort Glück, das ohne eigenes Zutun, ohne besondere Fähigkeiten oder ohne besondere Anstrengung Gelungene, das leicht Erreichte oder der günstige Ausgang eines Ereignisses. Natürlich spielt da auch der Zufall eine gewichtige Rolle; wie etwa beim Lottogewinn, aber auch wenn wir zufällig NICHT in ein Ereignis verwickelt werden, das schlimm für uns ausgehen würde. Insgesamt bezeichnete Glück also eher ein schicksalhaftes Ereignis, was möglicherweise durch das Gegenteil von Glück deutlich wird; also ein Unglück, das im Allgemeinen unvorhersehbar ist.

 

Dass es natürlich viel besser ist Glück zu haben denn Unglück, und da wir Menschen dazu neigen, lieber nichts dem Zufall zu überlassen, haben sich seit Jahrtausenden weltweit die Denker damit beschäftigt, wie man das Glück dem Zufall entziehen und es selbsttätig erreichen kann. Die Antworten auf die so einfach daher kommende Frage: „Was ist Glück?“, füllen ganze Säle großer Bibliotheken und es zeigt sich einmal mehr, dass hinter einer einfachen Frage, ein Universum von Antworten verborgen sein kann. Zu allem Unglück entwickelten sich im Laufe der Denkarbeiten zudem auch noch die weitergehenden Bedeutungen von Glück, was einer endgültigen Lösung nicht zuträglich war. Trotzdem sich also viele kluge Philosophen mit dem Thema nachdenkend beschäftig haben, eindeutig beantwortet jedoch, ist die Frage bis heute nicht. Mal kamen sie auf die Idee, zügelloses Ausleben der Begierden sei Inbegriff des Glücks (der ehrenwerte Platon), aber andere waren vom Gegenteil, also der Askese, überzeugt (z.B. der sehr ehrenwerte Diogenes). Mal soll man sein Glück in der Erfüllung der Pflicht finden (Kant), ein andermal wird die Vorstellung, dass wir da seien, um glücklich zu sein, als einen angeborenen Irrtum bezeichnet (Schopenhauer) und er empfiehlt, die Ausbildung der eigenen Persönlichkeit in den Mittelpunkt seiner Bestrebungen zu stellen.

 

Vielleicht kamen ja all die klugen Denker nur deshalb nicht auf eine allgemeingültige Formel, weil das empfinden von Glück subjektiv, von Mensch zu Mensch unterschiedlich, ist und deshalb nicht von objektiven Tatsachen abhängt. Glücksforscher (ja, die gibt es wirklich…) verwenden deshalb statt des Begriffes Glück eher den Begriff subjektives Wohlbefinden. Damit erweitern sich die glückauslösenden Momente, bis hin zu dem physiologischen Phänomen, aus dem der Spruch „Schokolade macht glücklich“ erwuchs. Nun, auch ich habe nichts zur möglicherweise  abschließenden Klärung der Frage danach was denn Glück sei, beizutragen. Die dürftige Auskunft, dass mir Diogenes näher ist als Plato und Schopenhauer näher als Kant, kann eben nur die Auskunft über meine eigene Ansicht sein… andere sollten sich bitte selbst Gedanken machen.

 

*          *          *

Einer der sich auch darüber Gedanken gemacht hat, ist ein Mann aus Montevideo/Uruguay, der allerdings erheblich viel weniger bekannt ist, als die oben angeführten Denker. Er selbst würde sich vermutlich auch keinesfalls als einen solchen bezeichnen wollen, wiewohl er es natürlich gewesen ist. Anderseits ist es bestimmt auch ein Glück, dass er sich zuvorderst mit der Schriftstellerei beschäftigte, denn mit der Philosophie, da uns sonst möglicherweise ein Werk vorenthalten geblieben wäre, das einerseits seines Gleichen sucht und das andererseits ausschlaggebend für das verantwortlich ist, was wir Heutigen ganz allgemein die moderne Lateinamerikanische Literatur nennen. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Mann so weitgehend unbekannt geblieben ist. Das möchte ich mit diesem Beitrag, wenigstens zum Teil, beheben und diese Besprechung von einem Band seiner gesammelten Erzählungen seinem Lebenswerk widmen; zumal dieses Jahr sein 100. Geburtstag wäre.

 

Bei diesem Mann handelt es sich um Juan Carlos Onetti (kurz JCO), den ich mit seinem Buch „Willkommen, Bob“ vorstellen möchte, welches mit einer Sammlung von Erzählungen aus den frühen 1940ger Jahren bis zu seinem Tod 1994 sozusagen einen Überblick über das Gesamtwerk bietet und es damit möglich wird, diesen Lateinamerikaner mit seinem gesamten Schaffen zu würdigen. Dazu ist es dann sicher auch legitim, vielleicht erforderlich, etwas weiter auszuholen und auch einige bekannte Stimmen zu zitieren. In einer jüngst veröffentlichten Kurzbiographie steht zu lesen: „Eine nicht organisierte Gruppe unbekannter und einflussloser Menschen vertritt die Ansicht, das größte Verhängnis von JCO sei seine nationale Herkunft gewesen. Wäre er nicht in Terra incognita zur Welt gekommen, sondern in einem Land mit der wirtschaftlichen Kraft und dem politischen Gewicht, welche nötig sind, um Kultur mit Erfolg zu exportieren, dann wäre er nicht nahezu incognito gestorben. Wäre seine Geburtsstadt nicht Montevideo/Uruguay, sondern beispielsweise Buenos Aires, dann wäre heute nicht Jorge Luis Borges, sondern Juan Carlos Onetti weltweiter Inbegriff und Superstar der lateinamerikanischen Literatur.“

 

Die immense Bedeutung des Werkes von JCO belegen die Aussagen derer, die es von Berufs wegen am besten wissen: Schriftstellerkollegen. Fast alle Lateinamerikanischen Autoren, die im 20. Jahrhundert mit ihrer Literatur berühmt wurden und auch solche, die uns fortgesetzt die Freude machen, uns mit ihren Werken zu begeistern, berufen sich auf JCO, bezeugen seinen Einfluss oder äußern sich bewundernd, wenn nicht gar ehrfurchtsvoll. Das kommt dann beispielsweise zum Ausdruck, wenn José María Arguedas, ein Klassiker aus Peru (auch hier bei Ciao vorgestellt), äußert: „Onetti bebt bei jedem Wort, harmonisch. Ich käme gerne nach Montevideo (ich bin in Santiago), unter anderem, um ihn zu grüßen, ihm die Hand zu drücken, mit der er schreibt. So ist es.“ Der Mexikaner Carlos Fuentes (auch hier bei Ciao vorgestellt) meinte, dass das Werk von JCO das Fundament der Lateinamerikanischen Moderne sei. Selbst der große Gabriel García Márquez (auch hier bei Ciao vorgestellt) äußert sich ähnlich beeindruckt. Und schließlich sagt der Argentinier Julio Cortázar (auch hier bei Ciao vorgestellt), und selbst einer der Großen der Lateinamerikanischen Literatur, JCO sei schlicht der größte Schriftsteller Lateinamerikas.

*          *          *

Umso erstaunlicher ist, dass ihn hierzulande fast niemand kennt; obwohl die meisten seiner Bücher inzwischen auch ins Deutsche übersetzt und hier veröffentlicht wurden. Dieses erstaunliche Faktum, doch nicht nur dieses, macht es wohl erforderlich, diesen Schriftsteller etwas genauer vorzustellen. Wie immer, möchte ich deshalb – und weil es für das Verständnis seines Werkes sehr hilfreich ist – der eigentlichen Besprechung einige biographische Daten voranstellen, damit man sich ein genaueres Bild des Menschen machen kann, der über seine Erzählungen zu uns spricht: Allgemein gilt der 1.7.1909 als Geburtstag von JCO; was aber nicht gesichert ist, denn zu jener Zeit hatte nicht jede Familie Zugang zur staatlichen Infrastruktur (in diesem Fall dem Geburtsregister) und somit gibt es keine Geburtsurkunde. Was allerdings sicher ist, er wurde in Montevideo/Uruguay als Sohn eines Kaufmanns geboren, der später Zollbeamter wurde. Insofern wird man der dürftigen Auskunft des Autors trauen dürfen, wenn es sagt, dass er eine glückliche Kindheit hatte… ansonsten ist über seine Kindheit und Jugend wenig bekannt, da uns weder eine Autobiographie, noch Tagebücher zur Verfügung stehen und er selbst nicht gern darüber sprach, weil er das als Privatsache ansah.

 

Ob JCO ein begabter, fleißiger und/oder beliebter Schüler war ist uns auch nicht überliefert, fest steht jedoch, dass er 1923 die Schule ohne Abschluss verließ, weil er – seiner eigenen Aussage nach – im Fach Zeichnen die Prüfung nicht bestanden habe. Es klingt wohl doch eher ironisch, wenn er anfügt: „…deswegen war es mir verwehrt, beispielsweise Rechtsanwalt zu werden“. Offensichtlich liegt aber sein berufliches Interesse eh auf ganz anderen Gebieten: dem Journalismus und der Literatur. Im Alter von 19 Jahren, gründete er in Montevideo, mit ein paar Freunden zusammen, eine kleine, anzeigenfinanzierte Stadtteilzeitung. Sie wurde nicht alt – aber in allen Ausgaben, veröffentliche JCO auch eine kleine Erzählung; allerdings anonym. Der Autor selbst hat diese Erzählungen einmal als „Literarische Jugendsünden“ bezeichnet.

 

Leben konnte JCO davon nicht und so übersiedelte er 1930 nach Buenos Aires. Aber auch da war sein Leben alles andere als Zuckerschlecken; zumal er mittlerweile geheiratet hatte und sein Sohn zur Welt gekommen war. Er hielt sich und seine kleine Familie mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Aber er blieb trotz seines harten Lebens (oder vielleicht gerade deswegen…) der Literatur treu und 1933 erhielt er für eine seiner Erzählungen eine Prämierung bei einem von der bekannten argentinischen Zeitung La Prensa ausgeschriebenen Literatur-Wettbewerb; damit betrat er nun offiziell die Literaturbühne. 1934 – nach seiner Scheidung – kehrt JCO nach Montevideo zurück, aber auch hier findet er keine feste Anstellung, schreibt aber weiter für eine argentinische Zeitung.

 

Ab 1939 erschien in Montevideo die Wochenzeitung Marcha; anfangs eher konservativ, entwickelte sie sich zu DER MARCHA, dem Sprachrohr der Linken des gesamten Kontinents. JOC wird Redaktionssekretär und schreibt zum erstmals professionell. Ein Kollege, der Dichter Carlos Cunha, betrieb zu dieser Zeit eine kleine Druckerei und verlegte selbst eine Lyrik-Edition. Ende 1939 erschien in diesem Kleinstverlag der erste Roman von JCO „Der Schacht“ – 100 Seiten, auf Packpapier gedruckt, 500er Auflage (die letzten 101 Exemplare wurden 1964 auf Anfrage an JCO zurückgegeben). Auf den Verkaufserfolg seiner Bücher angesprochen, sagte JCO gelegentlich: „Ich wechselte von Buch zu Buch den Verlag. Um die Verluste zu verteilen.“

 

Ab 1940 ging es für JCO beruflich bergauf, er wird Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und ein Jahr später übernimmt er die Leitung der Reuters-Dependance in Buenos Aires. Bis 1957 bleibt er in wechselnden Engagements dem Journalismus verbunden, dann wird er Direktor der Städtischen Bibliotheken von Montevideo. Er bleibt bis 1974 in dieser Position. Nun hat JCO Gelegenheit sich ausgiebig und hauptsächlich seinem zweiten Interessengebiet zu widmen, dem er sich all die Jahre nur nebenher zuwenden konnte: Literatur. Erste nationale und internationale Erfolge stellen sich ein; so erhielt er 1962, zusammen mit Francisco Espínola, den Uruguayischen Nationalpreis für Literatur. Um JCO zu charakterisieren, eignet sich die Dankesrede anlässlich der Preisverleihung: Nach dem Espínolas seine lange Rede beendet hatte, erhob sich JCO und sagte lediglich: „Ich rede nicht, ich schreibe.“ Seine Werke werden nun in Frankreich und Spanien veröffentlicht. Auf Einladung des PEN Club bereist JCO die USA und macht sich damit bekannt; was sich noch als sehr nützlich herausstellen sollte.

 

Nach einem Militärputsch, verbieten die Zensoren der Militärjunta die linke Zeitung Marcha und die uruguayische Militärjunta inhaftiert deren Gründer Carlos Quijano. Auch JCO und andere kommen in Haft; JCO hatte als Juror des Marcha-Literaturwettbewerbs ein Buch ausgezeichnet, das als Parabel auf die Diktatur verstanden wurde. Die Anklage lautet: „Förderung der Pornographie“. JCO ist in internationalen Fachkreisen nun schon bekannt und nach internationalen Protesten kommt JCO nach drei Monaten frei. Die Militärs haben sozusagen unfreiwillig dafür gesorgt, JCO noch bekannter zu machen. In Italien erhält JCO erstmals eine internationale Auszeichnung und er reist das erstmals durch Europa. Bei seiner Rückkehr wird sein Reisepass wird konfisziert. Im April 1975 nutzt JCO die Genehmigung einer Wochenend-Reise nach Buenos Aires, um sich nach Spanien abzusetzen. Zunächst arbeitet er wieder als Journalist und schreibt für die Nachrichtenagentur Efe einmal pro Monat einen Artikel über internationale Politik und das Kulturgeschehen.

 

„Lassen wir den Wind sprechen“, sein wohl berühmtester Roman erschien 1979 und war auch ein wirtschaftlicher Erfolg. Was aber wichtiger war, er brachte JCO sozusagen auch akademische Anerkennung als Schriftsteller. Er hielt Vorträge an Universitäten; von der Sorbonne in Paris, bis zur Universidad de Veracruz in Mexiko. 1981 erhielt JCO dann den Ritterschlag: Den Cervantes-Preis, die höchste Auszeichnung für Schriftsteller spanischer Sprache. Mit dem Preis, erhielt JCO auch die spanische Staatsbürgerschaft. Auf die Frage eines Journalisten, was ihm der Preis bedeute, antwortet er: „Zehn Millionen Peseten. Genug Geld, um endlich frei von finanziellen Sorgen schreiben zu können.“ Der PEN Club Lateinamerika nominiert JCO erstmals für den Nobelpreis; den er allerdings nie erhalten wird.

 

1984 hatten in Uruguay die Militärs abgewirtschaftet und sie überließen – wie üblich nach Diktaturen – das Aufräumen den Demokraten; mit anderen Worten: es fanden wieder demokratische Wahlen statt. Julio María Sanguinetti, der neue Präsident, lud JCO mehrmals zur Rückkehr nach Uruguay ein, doch JCO blieb in Spanien. Selbst als er ein Jahr später den Uruguayischen Nationalpreis für Literatur erhielt, kehrte JCO – nicht mal besuchsweise – zurück und der Staatspräsident sah sich gezwungen, ihm den Preis in Madrid zu überreichen.

 

1993 erschien sein letzter Roman „Wenn es nicht mehr wichtig ist“. Kurze Zeit später, 1994, starb JCO in Madrid. Das Titelbild von El Pais, der großen spanischen Zeitung, zeigte am 31. Mai, JCO. Der Begleittext: „Onetti geht zurück nach Santa María. – Gestern starb Juan Carlos Onetti, einer der größten lateinamerikanischen Schriftsteller. Seit mehr als einem Jahrzehnt lebte er zurückgezogen in seiner Wohnung, ohne Lust das Bett zu verlassen. 84 Jahre alt, geboren in Uruguay, spanischer Staatsbürger, Autor von Der Schacht und Schöpfer des literarischen Kosmos‘ Santa María, eines Werkes, ohne das die zeitgenössische Erzählkunst undenkbar ist.“ Der unbeugsame Mann, musste sich letztlich – wie alle – nur dem Tod beugen und er blieb dennoch auch über den Tod hinaus unbeugsam… Als Uruguay um die Urne bittet, wurde offenbar, dass JCO dies testamentarisch untersagt hatte; er hatte es seinem Geburtsland nie verziehen, dass es letztlich die Militärs haben an die Macht kommen lassen.

 

Ende der 1960er Jahre veröffentliche Luis Harrs sein Buch „Die Unsrigen“ – eine Sammlung von Reportagen über südamerikanische Schriftsteller. Das Buch erreichte viele Auflagen und das darin enthaltene Kapitel über JCO sollte das Bild von JCO für immer prägen – trotz Einspruch und Gegendarstellungen derer, die ihn wirklich kannten. Darin heißt es über den Schriftsteller: „Im trägen Nieselregen, gehüllt in einen dicken Mantel, gebeugt unter dem Gewicht der Stadt, geht er, düster, ein Nachtwandler in der schlaflosen Nacht. Wie die Stadt trägt er müde die Last der Jahre. Hochgewachsen, weiße Schläfen, graues Haar, schlaflose Augen, verzerrte Lippen einer schmerzhaften Grimasse, hohe professorale Stirn, die Spuren des Verzichts in seinem Gang eines gealterten Büromenschen. Protagonist eines unvollständigen Buches, das er seit Jahren schreibt und kapitelweise, mit unterschiedlichen Titeln, veröffentlicht, ein einsamer Mann an irgendeinem Ort der Stadt, rauchend, der sich nachts zur Wand dreht, um verrückte und phantastische Dinge zu ersinnen. Er scheint ein Waise zu sein, ohne Beschäftigung, abwesend, Missgeschicke, an denen er seit immer leidet, aufgrund eines Fehlers der Natur oder einer innerlichen Niederlage während der Jugend‚ als er bereits mit niemandem etwas zu tun hatte. Er lebt abgeschlossen von der Außenwelt, einsam, hilflos. Es war, wie er sagt, sein physisches und moralisches Außenseitertum, das ihn zum Schriftsteller machte, ihm zum Trotz, aus unbekannten Gründen, ausgehend von einer Gewohnheit, die sich in Laster, in Leidenschaft, in sein Unglück verwandelte. Er trägt sein Kreuz auf hängenden Schultern, als büße er eine unbenannte und unverzeihliche Schuld. Das ist das Bild, das wir von Onetti haben, dem Steppenwolf der uruguayischen Literatur, Bewohner jenes Ödlands, in dem laut Mario Benedetti diejenigen leben, die verdammt sind, das definitive Scheitern jeglicher Bindung, das totale Missverstehen des Daseins, das sich Verpassen von Sein und Schicksal zu erleiden.“

 

*          *          *

Auch wenn einige Menschen „die ihn wirklich kannten“ gegen diese Darstellung der Person JCO Einspruch erhoben haben (und dieser Einspruch in gewisser weise berechtigt erscheint – kein Mensch kann so leben und aus dem obigen Lebenslauf scheinen auch andere Seiten auf), das Außenseitertum dieses Mannes ist unbestreitbar; ebenso unbestreitbar wie die Tendenz seines Werkes. Eingedenk meiner Einleitung stellt sich die Frage, ob uns ein solcher Mann überhaupt etwas von Glück erzählen kann…Nun, ich könnte die Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten suchen: Muss man um etwas über Glück zu erfahren, das Glück erklärt bekommen? Vielleicht ist es ja viel sinnvoller, wenn wir jemanden zu Wort kommen lassen, der uns das Unglück so vollständig wie möglich zu erklären versucht… und wir in der Spiegelung des Gehörten und für uns Verstandenen, erkennen was für uns Glück ist. Kaum ein Autor ist dazu besser geeignet als eben jener, um dessen Werk es hier geht.

 

Anders als man nach den letzten Sätzen vermuten könnte, handelt es sich aber mitnichten um das traurigste literarische Werk, das die Literatur Lateinamerikas hervorgebracht hat. Die Botschaft des Autors JCO lautet: Das Leben ist eine Abfolge von Niederlagen, die im Lauf der Jahre allenfalls ihr Gesicht verändern. Aber wenn man scheitert, dann hat das oftmals den Charakter einer Farce… selbst wenn diese Farce blutig endet; daran nährt sich schließlich die Schadenfreude. Mich beeindrucken jene Schriftsteller, deren Werk durchaus diese grausame Komik aufweist, die es aber schaffen über die Schadenfreude hinauszukommen und dem Scheitern Größe zu geben vermögen; die überragende Größe dessen was wir Leben nennen und ich habe bei einem Kollegen einen wunderbaren Satz über JCO gelesen: „Juan Carlos Onetti ist einer dieser Schriftsteller, die sich nicht kleiner als das Leben machen.“

 

JCO ist ein Künstler und als solchen erleben wir ihn exemplarisch in „Willkommen, Bob“ Er ist ernst, eigen, düster und schwierig, aber auch offen, elementar, erhellend und meisterlich als Erzähler, dessen Gesamtwerk jene Eigenständigkeit aufweist, wie es nur die Allergrößten zustande bringen. Das hat natürlich Folgen: Es ist nicht einfach JCO tiefgründig zu erfahren… er ist der unangefochtene Meister des Weglassens, der Reduktion, der Verdichtung. Aber so lässt er uns beim lesen unglaublich viel Raum für eigene Vorstellungen vom Leben. Gleich wohl ist es aber dennoch möglich ist, sich von ihm auch nur gut unterhalten zu lassen. Dazu sind Erzählungen, insofern sie nicht allzu umfangreich sind, ein sehr geeignetes Mittel; in diesem Buch werden uns auf ca. 450 Seiten genau 40 Erzählungen geboten und ich meine, dass uns das Werk, so „portioniert“, auch gut unterhalten kann. Für jene aber, die Wert darauf legen des Werkes Tiefe auszuloten, seine Weite zu ermessen oder dessen Höhe zu erklimmen, bietet jeder noch so kurze Text, gerade wegen seiner Kürze anspruchsvollste Beschäftigung, weil oft jeder einzelne dieser Texte den Stoff in sich trägt, den Andere vielleicht zu großen Romanen verarbeitet hätten.

 

Das erklärt sich aus dem, von JCO zur Meisterschaft entwickelten, Kunstgriff, seine Erzählerfiguren in einer genauestens berechneten Vagheit zu belassen. Seine Protagonisten sprechen zwar von sich selbst, kommen aber meist nicht hinter sich, sie scheinen immer zu wissen, dass sie etwas verpassen, aber nie wo das was sie verpassen gerade geschieht. Für sie erklärt sich ihre empfundene Sinnlosigkeit ihres Lebens nicht; nicht die Leere ihrer Beziehungen, nicht die Lustlosigkeit ihres Alltags, nicht die Bedeutungslosigkeit ihrer Arbeit. Erinnerungen sind für sie keine Suche nach den erlebten besseren Möglichkeiten, sondern Erinnerungen werden verbogen, um sich das Scheitern nicht eingestehen zu müssen. JCO erklärt uns seine Figuren nicht und wir erfahren auch nicht, wie sie wurden was sie sind; so als sei schon das jedes Nachdenken darüber, vom Wissen um die Vergeblichkeit der Bemühungen, für bedeutungslos erklärt worden.

Die angesprochene Kunstfertigkeit der Vagheit der Protagonisten, setzt sich in der Erzählweise fort und es erfordert schon eine gewisse Kunstfertigkeit des Lesens, die Geschichten zu durchdringen. Kaum ein Text setzt sich aus verlässlichen Details zusammen und bildet so Lebenswirklichkeiten ab, so wie wir mitten im Leben auch nicht alle Einzelheiten der Existenz gewahr werden. Fast nie ist ein Erzähler genau zu bestimmen, oft wird aus einer vermittelnden Ich-Perspektive gesprochen oder der Stoff wird von einem Wir getrieben und die Handlung spielt in einem Zwielicht aus Spekulation und wo es einen eindeutigen Erzähler gibt, müssen wir Zweifel an seinen lauteren Absichten hegen. Aber so schlimm wie es sich anhören mag ist es nicht… auch wenn wir reichlich von einem Labyrinth aus Einsamkeit und Tristesse zu lesen bekommen, von Schweigen oder Gleichgültigkeit, von Leere in Beziehungen oder Hoffnungslosigkeit, gibt es doch auch immer einen offenen Ausgang… den es zu finden gilt; insofern hält das Buch Erfahrungen für uns bereit und es scheint immer so, als wolle der Autor uns dabei helfen, die Rätselhaftigkeit der von ihm selbst erschaffenen seltsamen Existenzen zu ergründen.

*          *          *

Ich möchte nun einen Überblick über den Inhalt geben. Dazu möchte ich nichts jede einzelne der 40 Erzählungen zusammenfassend beleuchten, sondern ich erwähne die Erzählungen, die in Deutscher Erstübersetzung in diesen Band aufgenommen wurden. Aber keine Sorge… alle Erzählungen hätten die Qualität, in Form einer ausführlichen Würdigung Erwähnung zu finden, was aber einerseits den Rahmen dieser Besprechung sprengen würde und andererseits vielleicht vergebliche Liebesmühe wäre, da natürlich auch die bekanntesten Erzählungen des Autors enthalten sind. Ausdrücklich verweise ich an dieser Stelle auch ein ausführliches Nachwort zweier der drei Übersetzer: Jürgen Dormagen und Gerhard Poppenberg. Dieses Nachwort gibt einen tiefen Einblick in das Schaffen und Werk von JCO und berichtet auch sehr anschaulich vom Prozess der Übertragungen eines künstlerischen Textes in eine andere Sprache – etwas, das uns im Allgemeinen eher verborgen bleibt. Auch unter diesem Aspekt betrachtet, gebührt dem Verlag ein Dankeschön dafür, dass er an dieser Stelle (!) nicht an ein paar Seiten Papier gespart hat…

 

Mummenschanz

Nicht nur weil diese Erzählung in der Chronologie der Zusammenstellung an zweiter Stelle steht ist erwähnenswert, sondern auch, weil sie uns schon ein Beispiel dafür gibt, wie JCO erzählt. Auf grade mal fünf Buchseiten entwirft er uns in einem Kosmos aus Einzelheiten ein Schwarzes Loch, in dem das Leben einer Frau zu verschwinden scheint. Ihr Name ist Maria Esperanza und in der Bedeutung des Namens liegt ihr Schicksal… dem sie sich offenbar nicht entziehen kann, obwohl an keiner Stelle erwähnt wird was sie hindern könnte; lediglich von einem Befehl ist die Rede. Also geht sie, wie ihr befohlen ist, um Männer zu suchen und nicht ohne Geld zurück zu kommen. Schonungslos erzählt uns ein anonymer Erzähler die Geschichte, die sich innerhalb weniger Minuten oder aber ein paar Stunden abspielen kann (was aber bedeutungslos ist), von den Seelennöten dieser Frau, die sich an ihresgleichen wenden muss… ohne zu verstehen, warum niemand erkennt, dass sie ihr Spiegel ist.

Die lange Geschichte

Anders als der Titel vermuten lässt, ist diese Erzählung nicht sehr umfangreich; eben nur 13 Buchseiten lang. Die Erzählung hat im Wesentlichen keine Handlung, handelt aber im Wesentlichen von der Innenansicht eines Mannes, der auf ein attraktives Mädchen aufmerksam wird. Dieses Mädchen führt offenbar ein Doppelleben. Einerseits das Leben, das ihren Eltern für angemessen halten, andererseits aber geht das Gerücht, dass die sie sich des Nachts aus dem Haus schleicht und mit immer wechselnden Männern trifft. Der Mann erkundigt sich nach ihr, beginnt sich zu interessieren und schließlich zu begehren. Eines Abends sucht er sie… und am anderen Morgen steht die Polizei vor ihm. JCO hat uns den Mann auf sein dubioses Vorleben aufmerksam gemacht und die Erkundigung  nach dem Mädchen machen ihn verdächtig… Aber die Gleichgültigkeit des Mordverdächtigen (?) verhindert jede Aufklärung.

 

Zurück in den Süden

Ein Mann, Oscar, sitzt in einem Cafe und erinnert sich an den verstorbenen Onkel Horacio… was kurz zuvor oder vor langer Zeit geschehen sein mag; was aber kaum eine Rolle spielt – es sei denn, man bedenkt, dass sich Erinnerungen mit der Zeit verändern und unzuverlässiger werden. In dieser 1946 geschriebenen Erzählung, nimmt JCO Bezug auf das Jahr 1938 – während des Karnevals dieses Jahre, den beide im Südviertel von Buenos Aires feierten, trennte sich Perla von Onkel Horacio. Seit der Zeit war das Viertel für Horacio tabu… er wollte nichts davon hören, geschweige denn dort hin. Bis er eines Tages zurück in den Süden wollte… und dort starb.

 

Esbjerg, an der Küste

Ein Erzähler, berichtet uns von einer Geschichte, die er – nach eigener Angabe – selbst nicht richtig verstanden hat. Es ist die Geschichte von Montes, der in des Erzählers Wettbüro arbeitet und ihn betrogen hat. Montes versucht mit der Geschichte zu erklären, wieso er seinen Chef betrog. Montes ist mit Kirsten verheiratet – einer Dänin. Sie empfindet im fernen Argentinien Heimweh und erzählte ihrem Mann vom Ort ihrer Geburt, „den sie verloren hatte, wie man eine Sache verliert, ohne ihn vergessen zu können“. Sie beteuert jedoch, dass sie nicht nach Dänemark zurück will. Montes empfindet Mitleid für seine Frau und setzt sich in den Kopf, ihr eine Reise zu schenken; das Geld will er sich irgendwie besorgen… und stürzt beide ins Unglück.

 

Das Album

Ein junger Mann (der Ich-Erzähler) soll in der Zeitung seines Vaters gerade einen Artikel über Themen aus Santa Maria schreiben, als er auf der anderen Straßenseite eine Frau bemerkt. Er empfindet plötzlich eine rätselhafte Obsession und unternimmt alles, um in ihre Nähe zu gelangen. Nicht nur seine Obsession ist rätselhaft, auch diese Frau ist es. Niemand kennt den Grund ihres Aufenthalts in Santa Maria… und der junge Mann traut sich nicht danach zu fragen. Er scheint sich auch nicht in diese Frau verliebt zu haben, sondern – wie es leider allzu oft geschieht – in seine Vorstellungen von ihr. Einerseits ergötzt er sich an den Geschichten, welche ihm die weitgereiste Frau erzählt, andererseits vermutet er hinter jeder ihrer Geschichte eine Lüge. Als sie, ohne die Hotelrechnung zu begleichen, spurlos verschwindet, zahlt er die Rechnung und löst den Koffer aus, den sie zurück gelassen hatte. Darin findet er ein Fotoalbum… jedes der Bilder bestätigt eine jener Geschichten die sie erzählt hatte und schließlich empfindet der junge Mann sich von seinen Vorstellungen betrogen.

 

Die Geschichte des Ritters von der Rose und der schwangeren Jungfrau, die aus Liliput kam

Der etwas zu lange Titel ist der Erzählung angemessen, die in sechs Kurzkapiteln von einem anonymen Erzähler erzählt wird und zu den längeren Geschichten in der Sammlung gehört. Schauplatz ist erneut Santa Maria und die Protagonisten, wenn man das so sagen will, sind die sog. ehrwürdigen Alteingesessenen und ein seltsames Paar, das überhaupt keiner Konvention zu entsprechen scheint. Es handelt sich dabei um eine junge zwergenwüchsige Frau und einen jungen Mann ohne Fehl und Tadel, die einander und ihre Mitmenschen lieben und höflichst behandeln. Niemand kennt den Grund ihres Kommens und niemand macht sich die Mühe es zu erfragen.. stattdessen schießen die Gerüchte und der Klatsch ins Kraut… Ganz gleich was die beiden auch tun, es wird nie als das anerkannt was es ist, sondern hineininterpretiert was die Tratschtanten und –onkeln eh immer schon wussten. Selbst die alte Frau, die sich von den beiden zum ersten Mal in ihrem Leben geliebt fühlt und glücklich ist… denkt an Erbschleicherei.

 

*          *          *

„Willkommen, Bob“ umfasst die Jahre von 1941 bis 1993; die Texte auf fast der Hälfte der rund 450 Buchseiten erscheinen zum ersten Mal auf Deutsch. Dennoch wird recht häufig beklagt, dass gerade die Erzählungen der ganz frühen Phase nicht in die Sammlung aufgenommen worden seien. Auf den verständlichen Wunsch nach Vollständigkeit und eine Sicht auf die schriftstellerische Entwicklung der Anfangszeit, erwidere ich als Autor auch meinen Anspruch an die Qualität der Texte… und man sollte respektieren wenn JCO selbst sagt, die frühen Texte seien „Literarische Jugendsünden“ gewesen. Es stört mich viel mehr, dass andere Erzählungen fehlen, nämlich jene, die im Zusammenhang mit seinen großen Romanen stehen und sie sozusagen vorbereiteten; vielleicht kommerzielle Absicht des Verlages, damit man auf die dort veröffentlichten Romane zurückgreift. An dieser Stelle hätten man nicht so sparsam mit Papier sein müssen…

 

Natürlich kann man keine Sammlung von Onetti-Erzählungen besprechen, ohne nicht zumindest ganz allgemein auf seine Romane, bzw. im speziellen auf seinen Roman „Das kurze Leben“ hinzuweisen. JCO hat darin eine Phantasiewelt erschaffen: Die Provinzhauptstadt Santa María, inklusive einiger Bewohner, die immer wieder zu Protagonisten seiner Geschichten werden; hauptsächlich natürlich die Hauptfigur Juan María Brausen, sozusagen der Erbauer der Stadt. Im Lauf der folgenden Bücher hat Brausen (oder war es doch JCO?) die Stadt Santa María kontinuierlich weiter ausgebaut, so dass sie quasi zur ersten Hauptstadt der gesamten Lateinamerikanischen Literatur wurde, ein Ort und eine Struktur, welche Gabriel García Márquez zu seinem Macondo aus Hundert Jahre Einsamkeit (auch hier bei Ciao vorgestellt) inspiriert haben dürften; jedenfalls aber als Basis und Ausgangspunkt für das gilt, was man den Magischen Realismus nennt.
Das zu erwähnen ist deshalb nötig, weil ansonsten die Wirkung des Werkes von  JCO nicht leicht zu erklären ist, dessen Erzählstil von der Anstrengungslosigkeit der Meisterlichkeit zeugt. Es gelingt JCO gleichermaßen mühelos die Konturlosigkeit einer Landschaft im Nebel zu beschreiben, wie er es schafft Unerhörtes in schlichte Worte zu fassen. Ein Kollege schrieb, dass es JCO geschafft habe: „…dass sein tatsächlich geschriebenes Werk ein viel größeres ungeschriebenes nicht nur ahnen lässt, sondern tatsächlich suggeriert, ein Werk, das wir weiterlesen und in dem die Figuren bis in die Unendlichkeit weiter agieren.“ Allerdings ist es so gut wie überflüssig zu erwähnen, dass es für mich – als „Lateinamerikaner“ – nicht darum geht zu sagen, dass JCO mir schon aus diesem Grunde gefällt. Ich fühlte mich wie sich ein Detektiv fühlen muss, der, ausgehend von rätselhaften Ereignissen, den Fall aufgerollt hat und endlich den Hintermann ausfindig gemacht hat. Die rätselhaften Ereignisse sind die Werke großer Lateinamerikanischer Autoren, der Hintermann ist JCO.

Ich habe diese Besprechung, die ja auch eine Würdigung des gesamten Werkes sein sollte, nicht zufällig mit ein paar Gedanken zum Thema Glück eingeleitet – es ist das große Thema über das uns JCO schreibt. Auch wenn er sich oft bis an den Rand der Brutalität mit dem unmöglichen oder verlorenen Glück befasst, implizieren die Texte die Vorstellung vom Glück als Spieglung des Realistischen; das ja auch mehr Unglück als Glück in der Welt sieht. Ich halte das Buch für einen der seltenen Glücksmomente meines Leselebens und die Geschichten erfreuen mich nicht wie den Macho der Blick auf ein jungfräuliches Mädchen erfreut, sondern wie der Blick auf eine reife Frau den gestandenen Mann fasziniert. Gerade weil uns JCO mit seinen Erzählungen einen leeren Himmel hinterlässt, bietet er unser Phantasie an, diesen Himmel zu bevölkern.

 

 

Wilfried John

 

Willkommen, Bob

Gesammelte Erzählungen

Juan Carlos Onetti

452 Seiten – Gebundenes Buch

Verlag: Suhrkamp – Aus 1999

ISBN: 3-5184-1079-2

12,25 Euro oder antiquarisch ab ca. 2,50 Euro