Manuel Puig „Der Kuss der Spinnenfrau“

Die Freiheit der anderen

Freiheit. Es gibt Begriffe, die sind so allgegenwärtig, werden in so viele Bereichen verwand, sind so oft gehört, so schillernd, dass man annimmt, zu verstehen was derjenige meinte der den entsprechenden Begriff benutzte… und gleichzeitig sind diese Begriffe so verdächtig, dass uns ein Misstrauen beschleicht, wenn wir mit diesen Begriffen konfrontiert werden; was wohl damit zusammenhängen mag, dass diese Begriffe ebenso oft wie sie ehrenhaft gebraucht wurden, auch missbraucht worden sind und recht viel Unheil damit angerichtet wurde.

Ein Paradebeispiel eines solchen Begriffes ist der Begriff Freiheit. Viele Menschen gebrauchen den Begriff in Gesprächen, Verlautbarungen und Reden und die Zuhörenden vernehmen zwar das Wort, ohne allerdings im Einzelnen immer genau zu wissen, was der Andere eigentlich damit meint. Nun, nichts leichter als das… möchte man meinen. Eine einfache Nachfrage und schon könnte man es wissen. Aber gerade hier liegt das Perfide der Alltäglichkeit, des Oftgehörten, des scheinbar Selbstverständlichen – es scheint einfach keine Nachfrage notwendig zu sein; zumal heute das Fragen fast schon als Verletzung einer Anstandsregel empfunden wird.

Dabei ist die reine Form der Freiheit eine recht seltsame Sache… die es eigentlich im Zusammenleben der Menschen nur rhetorisch oder allenfalls höchst theoretisch gibt. In einer Welt der prozessualen Zusammenhänge und Dependenzen (Natur und Abhängigkeiten), der gesellschaftlichen Vereinbarungen (Recht und Konventionen) und der persönlichen Prägungen (Bedürfnisse und Erziehung) scheint es sehr schwierig sich vorstellen zu können, wir könnten frei – im Sinne der reinen Form des Begriffs – sein. Folglich hat die Frage nach der Freiheit – losgelöst von den Zusammenhängen in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft – keinen Sinn, da die menschliche Existenz nun mal ausschließlich in diesen sozialen Bezügen denkbar und möglich ist.

Spätestens jetzt sollte man sich darauf einigen, was für ein Freiheitsbegriff denn eigentlich gemeint ist, wenn uns jemand laut tönend und wortgewandt von Freiheit redet. Mein Großvater hatte eine einfache Formel für das kniffligen Problem, hinter die Bedeutung dessen zu kommen, was da so pathetisch, und einem Glaubensbekenntnis gleich, in den Ohren gellt: Er stellte sich immer die Frage „Wem nützt es?“ Freiheit in unserem Sinne – also im humanistischen Sinne – ist die Möglichkeit zur Selbstbestimmtheit unserer Lebensführung. Das Maß für das Vorhandensein der persönlichen Freiheit ist es, ob der einzelne Mensch aus eigener Einsicht und ohne Zwang selbst darüber entscheiden kann, wie er denkt und handelt und somit festlegen kann, was er tun oder unterlassen will.

Aber auch mit diesem reinen humanistischen Freiheitsbegriff ist ein Problem verbunden: Manche Menschen verwechseln Freiheit mit Willkür…  Also hat auch dieser Freiheitsbegriff seine Grenzen, wobei jedoch sehr genau darauf zu achten ist, dass wiederum diese Grenzen nicht willkürlich gezogen werden, sondern an die Ziehung der Grenzen der Gleichheitsgrundsatz angelegt und alle Menschen grundsätzlich beteiligt werden. Grenzen sollen dabei nur Grenzen sein, die verhindern, dass Einzelne bei der Wahrnehmung ihrer Freiheit, die Freiheit Anderer nicht mehr als unbedingt notwendig verletzt oder die eigene Freiheit, zum sozialen, wirtschaftlichen oder seelischen Schaden anderer Menschen genutzt wird. Carl Friedrich von Weizecker hat das in einem wundervollen Satz zum Ausdruck gebracht: Sollen er und ich frei sein, so müssen wir unsere Freiheit beschränken.

Natürlich komme ich nicht aus einem Traumland, sondern aus der realen gesellschaftlichen Wirklichkeit… und da ist das was vielleicht abstrakt einsehbar ist, ein bisher ungelöstes Problem. Da die Menschen nicht gleich sind (und nie sein werden) und die gesellschaftlichen/politischen Verhältnisse zu dem auch noch große soziale Ungleichheiten erzeugen, hat das natürlich Konsequenzen für das Vorhandensein und oder das Maß von Freiheit einerseits und Folgen beim Nutzen (auch beim Missbrauchen) von Freiheit andererseits, wie der momentane Steuerhinterziehungsskandal zeigt. Um die Selbstbestimmung des Einzelnen zu gewährleisten ist es also erforderlich, die Verschiedenheit der Menschen zu achten und gleichzeitig die sozialen Ungleichheiten zu beseitigen…

Das beginnt allerdings schon bei jedem Menschen selbst. In unserer Gesellschaft ist es mit dem Maß an persönlicher Freiheit – sieht man einmal von den fortwährenden Versuchen des Innenministers Schäuble, die Bürgerrechte auszuhöhlen ab – noch ziemlich gut bestellt. Verblüfft muss ich aber sehr oft bemerken, wie viele Menschen offenbar freiwillig darauf verzichten, das ihnen gegebene Maß an Freiheit auch sinnvoll und im gesellschaftlichen Konsens zu nutzen. Oder ist es vielleicht gesellschaftlicher Konsens (und ich habe das nur noch nicht gecheckt…) die Reisefreiheit zu nutzen, um sich am „Ballermann“ den Verstand wegzusaufen? Ist es vielleicht doch auch eine Art die Freiheit zu gebrauchen, wenn man freiwillig in unsäglichen Beziehungen ausharrt, anstatt selbstbestimmt sein Leben neu auszurichten? Könnte es sein, dass der Verzicht auf geistige Anregung, durch fortwährenden Konsum von TV-Müll, ein Stück gelebte Freiheit ist? Oder ist es vielleicht auch eine Art Freiheit, sich von entsprechenden Medien manipulieren zu lassen, um so besser den (Kapital-)Verwertungsabsichten auf den Leim zu gehen? Fragen über Fragen.

Diese Einleitung vorangestellt, möchte ich im Folgenden ein Buch von Manuel Puig (kurz MP) vorstellen, das im Wesentlichen vom Phänomen der persönlichen Freiheit erzählt; ein Thema, das wir übrigens im Gesamtwerk dieses argentinischen Autors immer wieder finden. Es ist dies vielleicht nicht sein bester Roman, aber es ist sein weitaus berühmtestes Werk, das nicht nur seinen persönlichen Bekanntheitsgrad maßgeblich ausdehnte, sondern das Literaturgeschichte und später auch Filmgeschichte schreiben sollte: „Der Kuss der Spinnenfrau“.

MP wurde am 28.12.1932 in der argentinischen Provinzstadt General Villegas geboren. Hier verlebte er seine Kindheit in einem wohlbehüteten Elternhaus. Und hier erhielt er auch seine Grundschulausbildung. Seine Eltern nahmen ihn schon sehr früh mit in die Kinos der Stadt und der junge Manuel entwickelte schon früh eine Begeisterung für das Kino und vor allem eine Vorliebe für Melodramen, die im Hollywood der dreißiger und vierziger Jahre angesagt waren. Als Jugendlicher bekämpfte er mit Kino nicht nur seine Langeweile, sondern lernte da aus den Filmdialogen Englisch (später war er stolzer Besitzer einer Sammlung von damals sensationellen 3000 Filmen).

1946 erfolgte dann ein Umzug nach Buenos Aires, wo ihm seine Englischkenntnisse den Besuch eines us-amerikanischen Internats ermöglichten. Auf Drängen seiner Eltern begann er ab 1951 an der Universität von Buenos Aires zunächst Architekturstudium, was ihn aber (zum Glück…) nicht interessierte. Entsprechend seiner Neigungen, wechselte er aber bald die Studienfächer und verlegte sich auf Philosophie und Literatur. Ein weiterer wichtiger Schritt in seinem Lebenslauf – dessen Kenntnis nicht nur generell immer wichtig zum Verständnis eines Werkes ist, sondern in seinem Fall von besonderer, herausragender Bedeutung ist – erfolgte 1956. Ausgestattet mit einem Stipendium des „Centro Sperimentale di Cinematografia“, studierte er in Rom an der damals bedeutendsten italienischen Filmhochschule bei den berühmten Regisseuren Vittorio De Sica und Cesare Zavattini. Er

begann auch Drehbücher zu schreiben und reiste in Europa.

Dann begann für ihn eine schwere Zeit… nach Aufenthalten in London 1958, Stockholm 1959 und ein paar dürftigen Aufträgen als Regieassistent in Buenos Aires ab 1960, kehrte er nach Rom zurück, wo er aber keine Existenzgrundlage fand. 1963 zog er vorübergehend nach New York City, wo er seinen Lebensunterhalt als Flugscheinverkäufer der Air France am Kennedy Airport, als Fensterputzer, Tellerwäscher und Sprachlehrer verdiente und schrieb nach Feierabend an seinem ersten Roman „Von Rita Hayworth verraten“. 1967 kehrt MP dann nach Argentinien zurück, wo 1968 dann dieser erste Roman erschien und 1969 folgte dann der Fortsetzungsroman „Der schönste Tango der Welt“. Dieser wurde rasch zum

Bestseller, wenngleich die Kritik ihn anfänglich als Kitschliteratur bezeichnete.

Aber er hat mit diesen, von der Kritik zerrissenen Romanen, gewissermaßen im Exil, ein neues Kapitel des modernen lateinamerikanischen Romans aufgeschlagen, in dem er die ohnehin fließenden Grenzen zwischen sog. „hoher“ und „niederer“ Literatur durchbrach. MP ist ein Außenseiter… in diesen Jahren, als in Europa der sog. Boom der lateinamerikanischen Literatur entstand; die Autoren des Magischen Realismus waren die Vermittler und ihre politische Ausrichtung erzeugte eine neue lateinamerikanische Identität. MP hält sich zunächst heraus… mehr noch, er unterhält fast keinen Kontakt zu den Protagonisten des Magischen Realismus, obwohl seine Werke chronologisch parallel zu den Romanen von z.B. Gabriel García Márquez, Carlos Fuentes oder Alejo Carpentier (auch hier bei Ciao besprochen).

Wenn die oben genannten Kollegen Magische Realisten genannt werden dürfen, darf man MP durchaus als Experimentellen Realisten bezeichnen… wobei ich nicht sicher bin, ob dieser Begriff überhaupt existiert. Er selbst nannte sein Schreiben einmal „seine Suche nach einer neue Form der populären Literatur“, welche die gewöhnlichen Melodramen des täglichen Lebens in Romanform nachzählen soll. Er bedient sich an alten Formen der populären Literatur ebenso, wie er auch selbst neue Formen erfindet. Sein Material ist das was der Lauf der Zeit an Rückständen hinterlässt: Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Fotoalben, Polizeiberichte, Krankenhausbulletins, Reklameanzeigen, Aufkleber, populäre Songtexte oder Einkaufszettel…  Er hört bei den Telefongesprächen fremder Leute an öffentlichen Apparaten am Flughafen zu, er hört sich Gebete in Kirchen an oder beiläufige Gespräche im Restaurant oder verwendet offizielle Verlautbarungen. Aber das absolut Neue ist, dass er auch Themen aus der Tiefenpsychologie einführt: Themen wie Träume, Furcht, Phantasien, Meditationen… und er lässt das alles quasi ihre eigenen Geschichten erzählen, ohne durch Anmerkungen erklärend „einzugreifen“.

1973 änderte sich sein Verhältnis zu den politisierenden Kollegen ebenso, wie sein Verhältnis zu den politischen Verhältnissen überhaupt, als nämlich sein neuer Roman von der Peron-Diktatur auf den Index gesetzt wurde und als er nach dem Tod Peróns und der Entmachtung der Nachfolgerin, seiner Ehefrau Isabell, erleben musste, wie in Argentinien unter einer der grausamsten Militär-Diktaturen über 30.000 Menschen verschleppt, gefoltert und ermordet wurden, ändert MP seine Haltung. 1975, nach wiederholten Morddrohungen (weil angeblich in seinen Romanen die Familien-, Religion- und Kategorienstrukturen seines Landes verunglimpft würden und seine Homosexualität ein Angriff auf die guten Sitten wären), geht MP ins Exil… zunächst nach Mexiko, wo er seinen bereits begonnen vierten Roman – um den es hier gehen soll – vollendet, mit dem er, wie gesagt, später Weltruhm erlangen sollte. Das sollte er dem Umstand verdanken, dass das Buch 1985 in Hollywood verfilmt und sogar mit einem Oscar prämiert wurde.

Nach weiteren Lebensstationen in New York, Rio de Janeiro und wieder Mexiko, stirbt MP viel zu früh – inmitten seiner Arbeit – am 22. Juli 1990 in Cuernavaca, einer Provinzstadt, die, so wird kolportiert, „sicher viele Ähnlichkeiten mit dem Ort hatte, vor dem der Schriftsteller Zeit seines Lebens fliehen wollte.“  Insofern soll diese Rezension auch so etwas wie eine Hommage (was mir hoffentlich gelungen ist…) an diesen großen argentinischen Autor sein und ich bitte um Verständnis, dass ich ihn so ausführlich vorstellte.

Die Handlung von „Der Kuss der Spinnenfrau“ spielt zunächst fast ausschließlich in einer engen Gefängniszelle eines argentinischen Gefängnisses zur Zeit der Diktatur unter Juan Perón, in der zwei Männer versuchen, jeder für sich und jeder von anderen Motivationen getrieben, einen Weg in die Freiheit zu finden: der marxistische Aktivist Valentín Arregui und der Homosexuelle Luis Alberto Molina, der wegen Verführung Minderjähriger einsitzt. Jeder für sich kommt aus einer Welt, die mit der jeweils anderen wenig gemein hat, aber es gelingt ihnen Verständnis füreinander aufzubringen und sich von ihren Vorurteilen zu befreien. Molina nähert sich mit seinen sexuellen Wünschen dem Macho Arregui, der aus Mangel an sonstiger Zuwendung (er sitzt schon länger und erleidet Folter…) darauf eingeht und Molina wird politisiert und verspricht sogar, dass er Arregui hilft, sollte er früher aus dem Knast kommen und das obwohl er sich vorher ausschließlich um seine Triebhaftigkeit gekümmert hat.

Molina hat zudem noch eine recht seltsame Sicht auf die Welt, die er nämlich wie durch einen Schleier aus altmodischen Filmen betrachtet. Zum Zeitvertreib schlägt er dem zunächst völlig uninteressierten Valentin vor, die Zelle in ein imaginäres Kino zu verwandeln, in dem die beiden ungleichen Männer die alten Filme, auf die Molina steht, inszenieren. Arregui ist erst ungehalten, erkennt aber dann, dass er auf diese Weise seine Todesangst wenigstens für eine Weile vergessen kann. Allein die „Inszenierungen“ dieser sechs Filme, die auf Inseln, in verschlossenen Räumen spielen oder von gesellschaftlichen und/oder religiösen Zwängen handeln, sind literarische Kostbarkeiten, welche die Begeisterung des Autors für das Kino seiner Kindheit widerspiegeln und was wiederum auf das reflektiert, was ich schon über sein Gesamtwerk sagte, dass nämlich das Thema persönliche Freiheit ein Hauptthema von MP zu sein scheint.

Etwa zur Mitte des Romans wird deutlich, dass der Chef des Gefängnisses Molina zu Spitzeldiensten gegen Arregui erpresst hat… Molina seinerseits versucht jedoch alles, um nicht zu verraten; er vertröstet die Schergen, erfindet Ausreden dafür, warum er noch nichts herausgefunden habe. Aber der Gefängnisleiter ist nicht blöd und kann sich schließlich denken, dass sein ursprünglicher Plan nicht aufgehen wird, weil die beiden Männer Freundschaft geschlossen haben. Schließlich wendet er einen alten Geheimdienst-Trick an. Er vermutet, dass Arregui seinem Freund doch seine Geheimnisse anvertraut hat und er entlässt Molina zum Schein vorzeitig aus der Haft. Er hofft, dass Molina Kontakt zu den politischen Freunden aufnehmen wird, um ihnen Nachricht von Arregui zu geben und natürlich wird Molina überwacht um den Verbündeten Arreguis habhaft zu werden.

Das Ende wird dramatisch… und es kommt anders als man vielleicht jetzt denkt. Molina wird tatsächlich zum Verbindungsmann Arreguis zu den Guerilleros. Seine Liebe zum schwerkranken, im Gefängnis sitzenden Freund, wird ihm letztlich zum Verhängnis. Die Guerilleros erschießen diesen armen Menschen, weil sie befürchten, dass er sie – absichtlich oder nicht – an die Polizei verrät. Gleichzeitig verraten sie in ihrer Unfreiheit aus Angst ihren gefangenen Genossen, der weiterhin Verhörungen unterzogen und gefoltert wird und wahrscheinlich daran sterben wird.

Obwohl es in „Der Kuss der Spinnenfrau“ um ein ähnliches Thema geht wie z.B. in Rosencofs Roman „Der Bataraz“ (auch hier bei Ciao besprochen), hat mich dieses Buch lange nicht so erschüttert. Ich will zwar nicht gerade sagen, dass es mich gut unterhalten hätte (dafür ist das Thema aus meiner Sicht einfach nicht zu gebrauchen…), aber ich kann sagen, dass es mir aus literarischer Sicht ausnehmend gut gefallen hat. MP ist der absolute Meister des Dialogs und die Stellen, an denen MP die Protagonisten Opernfiguren übernehmen lässt (Carmen oder Rigoletto) und sich als Autor dabei völlig heraus hält, ist wundervoll zu lesen. MP arrangiert die Dialoge wie ein Chorleiter ein mehrstimmiges Musikstück oder wie ein Regisseur eine Filmsequenz, was den Roman so einzigartig macht.

Doch da der Roman sozusagen ein so singuläres Werk darstellt, fällt fast nicht auf, dass der Roman keinem bestimmten Genre entspricht. Er ist eine Liebesgeschichte ebenso, wie er ein politisches Manifest ist. Er ist eine großartige Hommage ans Kino ebenso, wie er eine Reflektion über Sprache –  durch die Verwendung einiger Polizeiberichte oder der Sprache der Guerilleros, sowie auch die Sprache der alten Hollywoodfilme – ist. Durch die imaginären Diskussionen über Sexualität ist er ein Thesenroman ebenso, wie er ein autobiographisches Werk ist. Seine vielfältigen Hinweise auf Künstler und ihre Werke, auf Filme, Schauspieler, Komponisten, Opern, Spiele, Philosophen, philosophische Systeme und zu politischen Fällen und Ideologien, machen den Roman auch zu so etwas wie einem inderdisziplinären Kunstwerk.

Vielleicht ist es ungerecht, heute die Kritiker von damals der Dummheit zu zeihen, aber dieser Roman ist alles andere als Kitschliteratur, aber es verwundert mich dennoch, dass sie die Großartigkeit des Werkes so übersehen konnten. Mich hat MP mit Kunstfertigkeit, Ernst, Wissen, aber auch Leichtigkeit und tiefe Menschlichkeit völlig für sich vereinnahmt und sich selbst als Autor präsentiert, der sehr wohl in der lange Reihe lateinamerikanischer Literaturstars genannt werden muss.

Wilfried John

Der Kuss der Spinnenfrau

Manuel Puig

298 Seiten – Gebundenes Buch

Verlag: Suhrkamp – Aus 1992

ISBN: 3-5182-2108-6

14,80 Euro

298 Seiten – Broschierte Ausgabe

Verlag: Suhrkamp – Aus 2003

ISBN: 3-5183-7369

9,- Euro

Anmerkungen für Cineastinnen und Cineasten:

Der Kuss der Spinnenfrau. Drama, Brasilien/ USA 1985, Regie: Hector Babenco, Buch: Leonard Schrader, Kamera: Rodolfo Sanchez, Musik: John Neschling, Produzent: David Weisman. Mit: William Hurt, Raul Julia, Sonja Braga, José Lewgoy, Milton Gonçalves, Carlos A. Strazzer, Fernando Torres, Nuno Leal Maia.

Der Film erhielt drei Oscar- Nominierungen (Bester Film, Beste Regie, Beste Drehbuchbearbeitung) und William Hurt erhielt den Oscar Bester Hauptdarsteller.

Anmerkungen für Musical-Fans:

Kuss der Spinnenfrau – Musical von John Kander und Fred Ebb die mit Werken wie „Cabaret“ und „Chicago“ zur absoluten Spitze der Musical-Autoren.

Der Roman von MP diente dem Musical als Vorlage. Die Broadway-Produktion des Musicals war ein großer Erfolg und erhielt sieben (!) Tony-Awards, unter anderem in den Kategorien Bestes Musical, Bestes Musical-Buch, Bestes musikalisches Werk. Das Musical soll auch in Deutschland auf den Spielplan kommen