Miguel Mejides „Narben in der Erinnerung“

Antikriegstag und Krieg gegen den Terror

Pro: Eindringliche, einfühlsame, wahrhaftige Erzählungen

Contra: Macht zornig



Terror. Kurz vor dem Jahrestag des Ereignisses, das wohl vielen Menschen beim hören des Wortes Terror als erstes im Kopf ist – der Zerstörung des WTC am 11. September 2001 – möchte ich mich dieses Wortes Terror nähern. Es kommt aus dem Französischen le terreur (der Schrecken) und ist zur Bezeichnung von systematischer und zugleich willkürlicher Androhung oder Anwendung von Gewalt geworden, die zum Zwecke der Verbreitung von Angst ausgeübt werden soll oder wird. Terror hat immer die Verunsicherung und Rechtlosigkeit, die Angst um Freiheit und Leben zur Folge und somit verletzen Terrorakte immer die Würde der Menschen.

Terror macht keine Unterschiede zwischen Schuldigen und Unschuldigen, zwischen Militär und Zivilisten oder zwischen Männern, Frauen und Kindern. Das ist ja gerade sein Charakter und macht Terror aus, dass er jeden Menschen treffen kann, um permanente Angst erzeugen zu können. Dabei sind die Mittel des Terrors vielfältig… was von interessierten Kreisen nur allzu gerne verschwiegen wird. Nicht nur die fürchterlichen Bombenanschläge, Morde und Entführungen einzelner Terroristen oder terroristischen Organisationen sind solche Mittel, sondern auch willkürliche Verhaftungen, Schauprozesse, Folter oder Geheimdienstaktionen sind solche Mittel.

Ein weiteres Mittel ist die Unsicherheit, ob man sich als Bürger oder Bürgerin im Recht oder im Unrecht befindet, wobei der Terror darin besteht, dass beide Begriffe willkürlich gegeneinander ausgetauscht werden. Die Aufzählung zeigt, wie vielfältig der Begriff ist und… dass er in der Mehrzahl nur von staatlichen Stellen ausgeübt werden kann. Natürlich bestehen sachliche Unterschiede zwischen z.B. Bombenanschlägen der Mafia und z.B. einer Befreiungsbewegung gegen einen Diktator (wobei ein Bombenanschlag im letzten Beispiel sogar als gerechtfertigt erscheinen kann), aber die Auswirkungen sind immer gleich inhuman. Und der Satz: „Der Zweck heiligt die Mittel“, sollte sich, mit dem Blick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts, ein für allemal als unannehmbar herausgestellt haben.

Alle Terroristen, gleich welches Ziel sie verfolgen, versuchen ihr Tun zu rechtfertigen… Nationalisten, Fundamentalisten, Rassisten versuchen zu argumentieren. Staatliche Stellen, versuchen Terror mit Gegenterror zu beantworten… Es wird versucht die Begriffe Terror und Revolution über den gleichen Kamm zu scheren, dabei stimmt das keineswegs, da Revolution vielleicht nicht ohne Gewalt möglich ist, aber sicher ohne Terror auskommen kann. Aber die Begriffsverwirrung hat ihren Sinn. Terroristische Gewalt kann in modernen, polizeilich hoch gerüsteten Staaten niemals zu Veränderungen oder gar Revolutionen führen, da schnell der Ruf nach Sicherheit laut wird. Das hat zur Folge, dass von der Bevölkerung mehr Überwachung, mehr Kontrolle und weniger Bürgerrechte leichter akzeptiert werden; zumal heutzutage mit den Mittel der Massenbeeinflussung die „richtigen“ Interessen leicht durchgesetzt werden können.

Die Anschläge des 11. September 2001 (ich schreibe es deshalb immer aus, weil es auch schon einmal einen 11. 9. 1973 gab, am dem – mit us-amerikanischer Hilfe – die chilenische Armee den Regierungspalast in Santiago de Chile bombardierte, Allende stürzte und Pinochet an die Macht kam), also diese Anschläge haben in der ganzen Welt enorme und berechtigte Ablehnung erzeugt. Das ließ viele Menschen – in ihrer Betroffenheit vielleicht etwas unaufmerksam geworden – Bushs Postulat vom „Kampf gegen den Terror“ unkritisch übernehmen. Dass Bush und seinen Kumpanen der Satz „Der Zweck heiligt die Mittel“ durchaus als annehmbar erscheint, zeigen die nachfolgenden Maßnahmen… von Afghanistan bis Guantanamo. Sollte man in der us-amerikanischen Administration der Auffassung sein, dass es guten und schlechten Terrorismus gibt?

Auch Bushs Vorgänger im Amt galt der ominöse Satz immer als annehmbar. Nun möchte ich diese Buchvorstellung bestimmt nicht als Aufzählung irgendwelcher Schandtaten im Namen oder unter Duldung der US-Administration missbrauchen, aber es gilt, die Doppelmoral zu entlarven, die auch uns hier in Deutschland zum Komplizen zu machen droht. Voraus schicken will ich auch, dass dies hier bestimmt auch keine Anklageschrift gegen die US-Amerikaner werden soll… sondern sie soll gegen jede Art Unterdrückung, Aushöhlung von Bürgerrechten und Überwachungsstaat gerichtet sein. Das, und nur das ist mein Hintergrund, wobei ich es halt exemplarisch am Verhältnis der USA zu Kuba demonstrieren will.

Das Buch, um das es hier geht, ist so etwas wie die literarische Aufarbeitung von über vier Jahrzehnten ideologisch verbrämter terroristischer Aktionen, begangen von Exilkubanern aus Miami und US-Geheimdiensten – oder der Zusammenarbeit beider. Dabei geht es hier nicht um Ansichten der Offiziellen beider Länder, sondern das Buch wurde aus der Sicht von Terroropfern, ja von Terroropfern selbst geschrieben. Den Sieg Castros und die damit verbundenen Verluste von Einfluss, Pfründen und Privilegien, haben die US-Amerikaner nie akzeptiert. Die sog. Flüchtlinge der ersten Stunde, die sich stolz Exilkubaner nannten, waren meist solche Leute, die eine Menge Dreck am Stecken hatten… sei es weil sie im Machtapparat der davon gejagten Diktatur eine Rolle gespielt, oder sich an dunklen Geschäften bereichert hatten – oder beides zugleich. Praktisch sofort nach der Machtübernahme Castros, begannen Aktionen gegen Kuba.

Heute, sechsundvierzig Jahre später, haben diese sog. Aktionen mehr Opfer „erzeugt“, als sie die Anschläge auf das WTC gekostet haben. Ich möchte nicht falsch verstanden werden… ich rechne keinesfalls Opferzahlen gegeneinander auf, nach dem Moto: mehr Opfer, mehr Schuld. Vielmehr nannte ich die Zahlen um die Größenordnung des Unrechts darzustellen. Aber das ist offenbar noch nicht genug… oder wie soll man es sonst verstehen, dass Bush den Druck auf Kuba noch erhöht und sogar mit einer zweiten Schweinebucht-Aktion gedroht wird? Nun, die internationalen Informationsmedien (wenn ich hier den größten Teil der Zeitungen und  Fernsehprogramme betrachte, könnte ich auf den Gedanken kommen, es handelt sich eher um Desinformationsmedien…) sind fest in der Hand der Mächtigen. Es mag zynisch klingen – wobei ich ahne, dass ich gar nicht so zynisch klingen kann wie es tatsächlich ist – diese Medien tragen die Bilder der „nützlichen“ Opfer in kürzester Zeit in die Welt, während sie in ihren Augen „unnützes“ Leid geflissentlich unter den ominösen Teppich kehren oder es, wenn verschweigen nicht mehr geht, herunterspielen.

Ein weiterer Hintergrund ist der Fall der sog. „Miami 5“. 1998 wurden fünf, in Miami lebende, Kubaner festgenommen und der „Spionage gegen die USA“, „Gefährdung der Sicherheit der USA“ und wegen „Terrorismus“ angeklagt. Die Männer ermittelten verdeckt in Kreisen von Exil-Kubanern, die im Verdacht standen, Anschläge gegen Kuba vorzubereiten. Die Ergebnisse ihrer Ermittlungen wurden den Behörden der USA mitgeteilt… aber anstatt gegen die wirklichen Terroristen vorzugehen, wurden die Ermittler verhaftet, die mit ihrer Arbeit einige Anschläge verhindert hatten. Die Urteile standen wohl schon vorher fest – langjährige Haftstrafen, sogar lebenslänglich für zwei der Fünf. Ironie des Falles (wenn es überhaupt angebracht ist, in diesem Falle von Ironie zu sprechen): Diejenigen, die halfen, terroristische Aktionen zu verhindern, wurden zu „Terroristen“ gestempelt.

Quasi in einem Akt der Notwehr, haben sich der kubanische Schriftstellerverband und das Kubanische Buchinstitut zur Herausgabe dieses Buches entschlossen, um auch dieses Unrecht in literarischer Form öffentlich zu machen. Aus oben schon genannten Gründen, mache ich mich gerne zum Multiplikator von achtzehn namhaften kubanischen Autorinnen und Autoren, die in diesem Buch Ereignisse dieses „verdeckten Krieges gegen den Inselstaat“ (wie sie es nannten) in literarisch hochwertigen Erzählungen verarbeitet haben, die von weiteren achtzehn, ebenso namhaften, Künstlerinnen und Künstler aus Kuba illustriert wurden, wodurch ein wirkliches Kleinod der Buchkunst entstanden ist: Die Anthologie „Narben in der Erinnerung“

Zusammengestellt wurde es von einem kubanischen Schriftsteller; mithin also von einem Sachverständigen, der die Werke seiner Kolleginnen und Kollegen genauestens kennt. Miguel Mejides, geboren 1950 in Camagüey/Kuba studierte Geschichte an der Universität in Camagüey und begann 1977 mit der Veröffentlichung seines literarischen Werkes. Er erhielt mehrere nationale und internationale Literaturpreise (unter anderem den hoch angesehenen mexikanisch-französischen Juan-Rulfo-Preis) und engagierte sich  in der Organisation der kubanischen Autorinnen und Autoren. Von 1988 bis 1993 war er Vorsitzender des Kubanischen Schriftstellerverbandes. Er ist Mitglied des Kubanischen Schriftsteller- und Künstlerverbandes UNEAC und arbeitet für das Kubanische Filminstitut ICAIC als Dozent der Drehbuchwerkstatt. In Deutsch ist sein Buch „Rumba Palace“ erschienen.

In dieser Sammlung sind achtzehn Erzählungen erschienen, die Terroristen und ihre Hintermänner aufzeigen. Jetzt sollte man aber nicht denken, es handele sich hier um so etwas wie Reportagen… wobei es durchaus auch unterhaltsam und anregend ist in den Reportagen z.B. von Gabriel Garcia Marquez (z.B. „Frei sein und unabhängig“ – auch hier bei Ciao vorgestellt) zu lesen.  Die in dieser Anthologie versammelten Autorinnen und Autoren sehen sich ohne Zweifel in einer großen Tradition Lateinamerikanischer Literatur, die in der Poetik von Miguel Angel Asturias (auch hier bei Ciao vorgestellt) besonders deutlich zum Ausdruck kommt. Er sagte einst, als man ihm den Literatur-Nobelpreis überreichte, in seiner Dankesrede: Der Roman ist ein Zeugnis der Geschichte, und dem Schriftsteller kommt die Aufgabe zu, die Leser auf die wirklichen Probleme Lateinamerikas aufmerksam zu machen. In diesem Sinne handelt es sich wirklich um ein Stück vorzüglicher Literatur.

Natürlich wird man nicht erwarten können, dass die Schreibenden objektiv bleiben… sie sind Opfer und stellen literarisch auch die Schuldfrage. Dabei sind natürlich die US-Administrationen im Allgemeinen und der aktuelle Terroristenjäger Nr.1 im Speziellen die Zielscheibe. Es wird von Leuten in Miami erzählt, die einen Terror-Krieg gegen Kuba führen und von den Behörden des Staates gedeckt werden, der überall auf der Welt Terroristen zu verfolgen scheint, nur nicht auf seinem eigenen Staatsgebiet. Manche Erzählungen sind  spannend wie Krimis – es geht um Bombenanschläge und Überfälle auf Schiffe, Flugzeuge und Botschaften, es um Brandanschläge auf Kaufhäuser, Mordversuche mit Gift und Schusswaffen.

Die Autorinnen und Autoren erzählen uns ihre Geschichten aus verschiedenen Perspektiven. Sichtweisen. Hauptsächlich natürlich wird aus der Sicht der Opfer oder deren hinterbliebenen Freunde erzählt, aber es gibt auch eine Erzählung, die versucht die zynische Sicht der Täter zu vermitteln. Die handelnden Personen kommen aus allen Gesellschaftsschichten. Vom Stahlarbeiter bis zum Schüler, vom Staatspräsidenten bis zum entführten Flugpassagier, ja sogar ein Mörder selber, dienen als Protagonisten für recht gut gelungene Kurzprosa, die sich in den Dienst einer guten Sache stellen will. Dabei handelt es sich bei den Themen aller Erzählungen nicht um fiktive Stoffe, sondern der Kern einer jeder Erzählung bildet eine belegbare Tat, ein nachgewiesenes Verbrechen.

Ich möchte nun versuchen, einen kurzen Überblick über die einzelnen Erzählungen, deren Autorinnen und Autoren und den jeweiligen Illustratoren zu geben. Der Einfachheit wegen halte ich mich an die Reihenfolge, wie sie der Herausgeber für richtig erachtete. Wie es in meinen sonstigen Besprechungen üblich ist, werde ich auch hier ein paar biographische Daten der Künstlerinnen und Künstler einflechten, mich aber dabei sehr beschränken, da in einem Anhang eine genaues Register angefügt ist. Bei den Erzählungen der meisten hier versammelten Autorinnen und Autoren handelt es sich um deutsche Erstveröffentlichungen und insofern ist dieses Buch eine Fundgrube für Interessierte an kubanischer Literatur; besonders auch deshalb, weil die junge Generation kubanischer Autorinnen und Autoren zahlreich vertreten ist.

Vorwort – von Roberto Fernández Retamar

Er wurde 1930 in Havanna geboren. Er studierte in Havanna, London und Paris, hatte Gastprofessuren in Amerika, Europa und Japan und erhielt an einigen Universitäten die Ehrendoktorwürde. Seit 1986 ist er Präsident der angesehenen Casa de las Americas. Er ist Lyriker und erhielt für sein Schaffen viele hoch angesehene Literaturpreise.

Wenn es vielleicht in sonstigen Büchern obsolet ist auf Vorworte hinzuweisen, da sie meist nicht viel mehr als Lobhudeleien sind, verhält es sich bei diesem Vorwort um ein in das Thema einführendes Essay, das in schonungsloser Offenheit Partei für die Menschlichkeit ergreift.

Ölgemälde eines Schiffes mit Werkstatt als Hintergrund – von Eduardo Heras León

Er wurde 1940 in Havanna geboren. Er ist Schriftsteller, Journalist, Literaturkritiker und Verleger. Für sein Werk wurde er mehrfach ausgezeichnet

In einem Stahlwerk treffen sich zwei alte Bekannte, die sich überall sonst vermutet hätten, nur eben nicht in einem Stahlwerk. Sie waren früher einmal in derselben Schulklasse… bis sie sich, ausgelöst durch ein dramatisches Ereignis, aus den Augen verloren.

Illustration von Juan V. Rodriguez Bonachea

Die Zigarettenschachtel – von Waldo Leyva

Er wurde 1943 in Las Villas geboren. Er ist Lyriker, Erzähler und Journalist.

Am 13. April 1963 ging in Havanna ein Warenhaus in Flammen auf… aber es war kein Unglück – es war ein Anschlag. Die Erzählung befasst sich mit den wirklichen Ereignissen…

Illustriert von Julio Girona

Legende – von Miguel Mejides

Siehe oben.

Revolution und Konter-Revolution… wenn die beiden Ereignisse von der Bevölkerung getragen sind, haben sie eine Legitimation. Wenn allerdings Verbrecher unter dem Deckmantel politischer Ziele nur Gewalt und Terror gegen Unschuldige verbreiten… welche Legitimation wollen sie geltend machen?

Illustriert von Ernesto Garcia Pena

Ich bleibe ich – von Aymara Aymerich

Sie wurde 1976 in Havanna geboren. Sie ist Lyrikerin und schreibt Erzählungen. Sie erhielt bereist namhafte Auszeichnungen.

Dies ist (wenn man das so sagen darf) meine 1. Lieblingsgeschichte in diesem Buch. Sie handelt von Kindern, die in einer fremden Umgebung ankommen, ohne dass ihnen ganz klar ist, warum ihnen das widerfuhr. Ihre Mütter haben sie aus Angst in die USA geschickt… hatte doch der CIA über das Radio verbreiten lassen, dass die Kommunisten ihnen die Kinder abnehmen wollten. Die Kinder waren die Opfer der psychologischen Kriegführung.

Illustriert von Alicia Leal Vedoz

Schokoladenmilchmix – von Alexis Díaz-Pimienta

Er wurde 1966 in Havanna geboren. Er ist Wissenschaftler. Lyriker und Erzähler. Er erhielt für sein Werk bedeutende Auszeichnungen.

Und hier kommt gleich meine 2. Lieblingsgeschichte aus diesem Buch. Sie handelt im Prinzip darum, wie man ein Komplott schmiedet, an dessen Ende, als dessen Ergebnis die Ermordung eines Menschen stehen sollte.

Illustriert von Eduardo M. Abeda Torras

Ich bin ich, Maria – von Emilio Comas

Geboren 1942 in Caibarien. Er ist Lyriker, Erzähler und Romancier.

Die Erzählung dreht sich um kubanische Fischer, die ihr kärgliches Leben unter großen Gefahren für Leib und Leben fristen. Die Bedrohungen gehen aber nicht nur von den natürlichen Gefahren aus…

Illustriert von Flora Fong

Tiefer als Narben – von Aida Bahr

Sie wurde 1958 in Holguin geboren. Sie ist Erzählerin und Drehbuchautorin.

Diese sehr kurze, sehr dichte Story ist harter Tobak. Sie berichtet über das Schicksal eines kleinen Jungen, der seinen Fuß verliert…

Illustriert von Antonio Vidal

Schuss aus der Kamera – von David Mitrani Arenal

Er wurde 1966 in Havanna geboren. Er ist Lyriker und Erzähler. Für sein Werk erhielt er namhafte Auszeichnungen.

Wieder einmal soll jemand ermordet werden… nicht mit Gift in der Schokoladenmilch, sondern diesmal mit einem verdeckten Schuss.

Illustriert von Juan Moreira

Die Gespenster – Mylene Fernandez

Die Autorin wurde 1963 in Pinar del Rico geboren. Sie ist hauptberuflich Rechtsanwältin und schreibt Erzählungen. Sie wurde für ihr Werk schon international ausgezeichnet.

Es gab, und das dürfte mittlerweile bekannt sein, schon öfter einen dramatischen 11. September, als der vom Jahr 2001. Einer davon, einer der dramatischsten, war der von 1973. Es geht in dieser Geschichte allerdings nur mittelbar um den Pinochet-Putsch. Die Erzählung berichtet uns vom Schicksal einer kubanischen Diplomatenfamilie in Santiago de Chile am 11.9.1973.

Illustriert von Adigio Benitez Jimeno

Betinas Monolog – Marilyn Bobes

Sie wurde in 1955 in Havana geboren. Sie ist Verlegerin, beschäftigt sich aber auch mit Lyrik und Erzählungen. Außerdem ist sie eine beachtete Literaturkritikerin.

Im Grunde ist das Thema dieser Erzählung, der ersten Erzählung ähnlich. Sie handelt davon, was jemand hätte werden können, wenn der Lebensweg nicht gewaltsam gestört worden wäre. Aber sie erzählt auch, dass es hätte schlimmer kommen können, wenn nicht Freunde beigestanden hätten…

Illustriert von Rafael Morante

Die Metamorphose eines Namens – Enrique Nunez Rodriguez

Der Autor wurde 1923 auf Kuba geboren und starb 2002 in Havanna. Er war Journalist und Erzähler. Er ist leider international kaum beachtet worden, war aber national eine Größe.

Lissabon im Jahre 1973. In der kubanischen Botschaft in Portugal explodiert eine Bombe…

Illunstriert von Rafael Zarza Gonzalez

Flug 455 – Juan Carlos Rodriguez Cruz

Der Autor wurde 1943 in Havanna geboren. Er ist Wissenschaftler und schreibt.

Harmlose Flugpassagiere in die Luft zu jagen ist ja nun nicht so neu… schon lange ist so etwas ein probates Terrormittel.

Illustriert von Carlos Montes de Oca

Elfter September – Alberto Guerra

Der Autor wurde 1963 in Havana geboren. Er ist in erster Linie Dozent an der Universität, schreibt aber sehr erfolgreich Erzählungen. Er wurde für sein erzählerisches Werk international ausgezeichnet.

Wieder ein 11.9. – diesmal handelt es sich um den 11.9.1980. Schauplatz ist New York. In der Näher der Vereinten Nationen geschah etwas bislang Einzigartiges: Ein ausländischer Diplomat wird in den USA ermordet. Nie vorher und nie seither geschah etwas derartiges Verbrechen. Und ausgerechnet traf es den kubanischen Botschafter bei den UN…

Illustriert von Eduardo Roca Salazar

Darios Tochter – Adelaida Fernández de Juan

Die Autorin wurde 1961 in Havanna geboren. Sie ist Ärztin. Für ihren jüngsten Erzählband wurde sie international ausgezeichnet.

1981 – die biologischen Waffen wurden lange schon für geächtet erklärt. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine solchen Waffen mehr gibt. Es wurde in jüngster Zeit sogar ein Krieg mit dem Vorhandensein solcher Waffen begründet. Und welch schlimme Folgen der Einsatz von biologischen Waffen zeitigt, das wissen die US-Geheimdienste deshalb so genau, weil sie das schon mal ausprobiert haben…

Illustriert von Zaida del Rio

Der Vogel Phönix – Jesus David Curbelo

Der Autor wurde 1965 in Camagüey geboren. Er ist Kritiker, Lyriker und Erzähler. Er ist bisher nur national bekannt.

Kunst sei eine Sprache für sich… sagt man. Der Versuch, sich ihrer zu propagandistischen Zwecken zu bemächtigen, schlug bislang immer fehl…

Illustriert von Manuel Mendive Hoyo

Die Nacht der Geister – Rogelio Riverón

Der Autor wurde 1964 in Placetas geboren. Er ist Kulturjournalist und schreibt literarisch. Er ist national sehr hoch ausgezeichnet.

Ganz Journalist, schreibt der Autor von einem gewaltsamen Übergriff exilkubanischer Terroristen auf unschuldige Zivilisten auf Kuba…

Illustriert von Jose Omar Torres Lopez

Wegen so einer spanischen Rotznase – Daniel Chavarría

Der Autor wurde 1933 in Uruguay geboren, lebt aber seit der Revolution auf Kuba und bezeichnet sich auch als kubanischen Schriftsteller. Er schreibt Drehbücher und Romane.

Ein Lebensnerv der Kubanischen Wirtschaft ist der Tourismus… und somit stets ein lohnendes Ziel von Terror.

Illustriert von Edel Bordon

Der Junge und die Politzistin – Marta Rojas Rodriguez

1931 in Santiago de Cuba geborene Journalistin, ist eine national geachtete und ausgezeichnete Erzählerin.

Das Sorgerechtsverfahren um einen kubanischen Jungen in Florida, ging 1999 medial um die Welt…

Illustriert von Ernesto M. Runcano Vieites

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Für mich war die Lektüre dieses Buches durchaus ein Ärgernis. Das hat allerdings mehr mit den Inhalten, als mit den Qualitäten der in ihm versammelten Erzählungen zu tun. Natürlich sind diese Qualitäten, wie in (fast) jeder Anthologie, unterschiedlich und wie ich ja bereits in den Inhaltsangaben habe durchblicken lassen, verteilen sich meine Sympathien je nach Güte der Texte unterschiedlich. Insgesamt halte ich dieses Buch für ein wichtiges Zeit-Zeugnis, das von unzweifelhaft kompetenten Autorinnen und Autoren ausgestellt wurde.

Für mich persönlich ist diese Sammlung bestimmt keine unterhaltsame Lektüre gewesen, aber für jemanden der weniger in die Ereignisse einbezogen ist als ich, ist es bestimmt ein spannendes Buch. Außerdem kann es um Verständnis für ein Land und seine Menschen werben, die seit über vierzig Jahren drangsaliert werden. Wichtig ist für mich gewesen, dass ich bei der Lektüre der Geschichten nie das Gefühl haben musste, dass mir jemand mit dem erhobenen Zeigefinger und der Moralkeule eine bestimmte Position beibiegen wollte. Einmal ganz von der politischen Dimension abgesehen, es wäre auch schwach, wenn Intellektuelle keine anderen Mittel hätten, als das Heraufbeschwören von Schreckensbildern. Sie Geben Opfern ein erzähltes Gesicht und in Gesichter zu schauen, fördert die Erkenntnis, dass Menschlichkeit nichts Abstraktes ist… und Unmenschlichkeit eben auch nicht.

Im Gegenteil. Die meisten der Texte erzählen subtil von ihren jeweiligen Themen und haben, was den Erzählstil betrifft, durchaus einen künstlerischen Stellenwert; selbst wenn ich den sehr hohen Maßstab der kubanischen Literatur anlege. Es war für mich außerdem sehr schön, dass viele der Autorinnen und Autoren sonst noch nie in Deutscher Sprache zu lesen waren und sozusagen die junge Schriftsteller-Generation Kubas zu Wort kommt. Sicher wird das für die meisten Leserinnen und Leser relativ unwichtig sein, da sie eben nicht so auf karibische Literatur eingeschworen sein mögen wie ich es bin. Aber vielleicht ist es ja reizvoll, einen zukünftigen Star der karibischen Literatur, in einer Anthologie heute schon zu lesen.

Wilfried John

Narben in der Erinnerung

Mejides, Miguel (Hrg)

218 Seiten – Broschierte Ausgabe

Verlag: Atlantik Verlags- und Mediengesellschaft – aus Mai 2005

ISBN 3-9265-2946-6

18.00 €

1. Nachsatz. Homepage des deutschen Komitees zur Freilassung der fünf kubanischen Ermittler aus us-amerikanischer Haft: http://www.miami5.de/

2. Nachsatz. Über Guantanamo http://alfreddezayas.com/Articles/Guantanamo_de.shtml

3. Nachsatz. Leonard Weinglass, legendärer US-Bürgerrechtsanwalt, Hauptanwalt im laufenden Berufungsverfahren der »Miami 5« vor einem US-Berufungsgericht in Florida, bereist derzeit die Welt, um Öffentlichkeit über den Fall herzustellen, und hat deshalb das aktuelle Nachwort für die deutsche Ausgabe verfasst.

4. Nachsatz.  Weitere Berichte zur Menschenrechtslage in und Berichte über Politik gegen Kuba siehe unter:   http://www.jungewelt.de/beilage/beilage/17